Camino Frances – Love is the answer

Jakobswegbericht von Johanna Busowitz

Wie kam es dazu?/Warum?

Ich wusste schon lange, dass ich den Jakobsweg gehen wollte. Nach und nach wurde aus dem Gedanken dann der richtige Plan. Und ich wusste: Nach dem Abi soll es soweit sein. Warum der Gedanke entstand weiß ich bis heute nicht. Das Buch von Hape Kerkeling habe ich erst während der Planung gelesen.

Auch wenn ich nicht genau weiß, wie ich auf den Jakobsweg gekommen bin, weiß ich doch ganz genau warum ich ihn unbedingt gehen wollte: Ich wollte Gott finden. Ich wollte wissen, wo er ist, wollte ihm begegnen. Deswegen wollte ich auch unbedingt alleine gehen, nicht mit irgendeiner Reisegruppe, nicht mit Freunden und auch nicht mit meiner Mutter. Ich hatte wohl Angst dadurch irgendwelche Zeichen übersehen zu können. Und außerdem wollte ich mit fremden Menschen in Kontakt treten müssen.

Vorbereitungen

Zu meinen Vorbereitungen gehörten größtenteils Besorgungen (neue Wanderschuhe, Wandersandalen zum Wechseln, ….). Viele Sachen hatte ich schon.

Ganz wichtig war der Reiseführer, den ich gekauft habe.

Zur Vorbereitung habe ich mich dort vorher schon mal eingelesen und eine grobe Einteilung von Etappen gemacht (wirklich nur grob, da ich gar nicht wusste wieviele Kilometer ich am Tag laufen kann).

Einen Pilgerpass habe ich mir auch noch zuschicken lassen.

Dann musste eigentlich nur noch meine Hin- und Rückreise geplant werden: Die Hinreise war leicht, meine Eltern haben in Frankreich Urlaub gemacht und mich nach St. Jean-Pied-de-Port gebracht. Die Rückreise habe ich vorher nicht geplant, weil ich ja nicht genau wusste wie lange ich brauchen werde. Ich wollte erst in Santiago dann einen Rückflug buchen.

Viel mehr habe ich vorher wirklich nicht gemacht.

Alltag

Der Alltag auf dem Jakobsweg war bei mir im Prinzip immer der Gleiche, aber doch jeden Tag anders.
Morgens habe ich kurz meine Sachen gepackt, ein wenig gefrühstückt und bin los gelaufen. Und dann bin ich gewandert und gewandert (zwischendurch habe ich mehrere kleine Pausen gemacht).
Mittags war ich dann im nächsten Ort, in dem ich bleiben wollte. Dort habe ich dann meistens erst Mittag gegessen, dann geduscht (manchmal auch andersrum) und dann Mittagsschlaf gehalten.
Nachmittags habe ich mir den Ort oder die Stadt angesehen und habe Kirchen oder andere Sachen besichtigt.

Abends wurde auch schon Abend gegessen und nach (mal kurzen, mal langen) Gesprächen mit den jeweiligen Essenspartnern ging es auch schon ins Bett wieder schlafen.

Suche nach Gott/Fazit

„Wir können Gott mit dem Verstand suchen, aber finden können wir ihn nur mit dem Herzen.“

Ich habe Gott mit meinem Herzen gefunden. Gott ist die Liebe. Wenn wir Liebe geben und Liebe empfangen, begegnen wir Gott. Wenn wir uns gegenseitig helfen und Nächstenliebe zeigen, begegnen wir Gott. Er ist in unserem Herzen. Manche Begegnungen sind vielleicht intensiver als andere und manche nehmen wir gar nicht wahr, aber Gott ist immer da. Ich hatte hier auf dem Weg eine persönliche intensive Begegnung mit Gott als mir Nächstenliebe entgegen gebracht wurde (siehe Tagebuch, Tag 15). Gott ist mir schon ganz oft begegnet, ich habe es vorher nur einfach nicht erkannt. Der Jakobsweg sollte mir helfen genau das zu erkennen und hat meinen Wunsch erfüllt.
Was ich auch gelernt habe ist, dass nichts ohne Grund passiert. Gott will das so. Auch schlimme Dinge haben ihren Sinn. Man kann daraus lernen oder wird vielleicht vor anderen schlimmen Dingen bewahrt, auch wenn man es im ersten Moment gar nicht versteht.

Auch wenn man manchmal den Sinn nicht erkennt oder die Situation aussichtslos erscheint: Gott ist immer da.

Der Jakobsweg sieht mich auf jeden Fall eines Tages wieder!!

Wie der Camino mich verändert hat

Die größte Veränderung, die nur ich merken bzw. spüren kann, ist sicher, dass ich Gott sehe. Dass ich erkenne, dass er mir im Alltag begegnet. Dass ich weiß, dass er da ist. Und, dass ich weiß, dass er vorher auch schon da war, in den gleichen Situationen, ich ihn nur nicht erkannt habe.
Vielleicht bin ich auch noch positiver geworden, als ich vorher schon war. Ich weiß, dass schlimme Dinge passieren, aber ich weiß auch, dass Gott uns damit nicht alleine lässt.

Meine Empfehlungen für den Weg:

– kein Handy, aber eine Kamera (klein) zum Fotos machen
– Tagebuch führen (ich lese gerne nochmal, was mir alles passiert ist)
– sich Zeit nehmen zum Wandern und nicht den Weg in einer Rekordzeit schaffen wollen

Jakobsweg – Tagebuch von Johanna Busowitz

Vormerkung: Das ist mein Originaltagebuch, das ich jeden Tag auf dem Jakobsweg geschrieben habe. An manchen Stellen habe ich etwas gekürzt. Rechtschreib- und Grammatikfehler schließe ich nicht aus. Viel Spaß beim Lesen!

Tag 1: 13.Juli 2016

Hello it’s me!

Bin heute ca. 30 km in gut 7 Stunden gelaufen. Hatte noch nie solche Schulterschmerzen, wie gerade in diesem Moment. Wenn ich wüsste was, würde ich gerne Überflüssiges aus meinem Rucksack nehmen. Freue mich jetzt aufs Schlafen wie eine Wahnsinnige!

Ich habe mal gelesen, dass nur 15 % der Pilger, die in St. Jean-Pied-de-Port starten, auch in Santiago ankommen. Ich wette die anderen 85% brechen schon nach der 1. Etappe ab. Wenn ich nicht fürchterlich verrückt wäre, würde ich das auch jetzt machen. Möchte aber morgen früh mit meinen neuen „Freunden“ weiter. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht mal die Namen. Dafür wissen sie meinen und sorgen dafür, dass er heute schon das ein oder andere Mal durch die Berge gerufen wurde.

Meine Freunde, das sind ein 46-jähriger Franzose mit seinem Sohn und dessen besten Freund (beide 14). Heute morgen ging es nach einem tränenreichen Abschied von meiner Familie mit dem Wandern los. Kurz danach traf ich auf die Franzosen und einer der nettesten Menschen, die ich je kennengelernt habe (nämlich der 46-Jährige) fragte mich, ob ich mit ihnen laufen will. Nach etlichen Kilometern im teilweise strömenden Regen kamen wir an eine Bar in Huntto. Dort wurde mir eine Cola spendiert und 2 Sandwiches aufgedrückt. Dort dachte ich schon: „wenns noch weiter nach oben geht: nadann JUHU“. Es ging weiter nach oben. Es heißt, dass man auf dem Jakobsweg an seine körperlichen Grenzen kommt, ich hatte heute am 1. Tag schon das Gefühl meine Grenzen erreicht und längst überschritten zu haben.

Wir waren über 2000m hoch. Alles voller Berge und dazu immer wieder Regen. Die 3 werden auch morgen meine Begleiter sein. Im Kloster (Quartier für die Nacht) gab es nach der Messe, das beste Mahl, was man wohl für 10€ bekommen kann: Wasser und Rotwein (soviel man will), Brot und Suppe (soviel man will), Pasta, dann einen Teller mit 3 Schweinesteaks und Pommes und zum Nachtisch noch nen Joghurt. Lecker!

Danach Zähne putzen und ab ins Bett.

Tag 2: 14.Juli 2016

Hello it’s me!

Heute ca. 21km in ca. 7 Stunden (mit vielen Pausen) gelaufen. Sitze gerade auf meinem Hochbett in einem 8er Zimmer, in dem ich das einzige weibliche Wesen weit und breit bin. Meine 3 Franzosen habe ich schon nach dem 2.Tag in mein Herz geschlossen. Der Sohn vom 46-Jährigen heißt übrigens Elliot. Erster Name, den ich mir merken konnte.

Meine Schulterschmerzen sind enorm und an meinem linken Fuß hab ich die fetteste Blase überhaupt. Von der „krassen“ Sonne, die auf dem Weg scheinen soll, haben wir heute wieder nichts gemerkt…

Eher das Gegenteil: strömender Regen.

Es ging heute wieder durch die Pyrenäen, also hoch und runter. Konnten uns aber viele und auch lange Pausen gönnen, weil wir heute morgen so früh losgegangen sind. Um 6 Uhr wurde man in der Pilgerherberge durch lautes Rufen geweckt. Um 7 Uhr gabs Frühstück und danach direkt los. Nebenbei: da war es noch dunkel draussen.

Erster Halt war in einer Bar mit einem Glas kalter Cola. Ich wollte uns 4 heute mal die Getränke spendieren, aber ich durfte von meinem Pilgerpapa (so nenne ich ab jetzt den 46-Jährigen) aus nicht.

Irgendwann haben wir eine verspätete Frühstückspause eingelegt. In der „Bar Juan“ bekam man jetzt eine Cola und ein halbes Baguette mit Salami (köstlich). Das übernahm mal wieder mein Pilgerpapa. Während des Wanders waren meine Schulterschmerzen zwischenzeitlich unerträglich. Die Füße gingen erstaunlicherweise. Heute haben wir mehr Pilger getroffen als gestern, auch mehrere Deutsche. Schon der 2. Tag ist die reinste Quälerei. Aber schon der 2. Tag hat auch die ersten Nebenwirkungen. Ich habe schon nachgedacht. Über was genau…das weiß ich auch nicht. Schöner als der beste Freund von Elliot kann man fast gar nicht „Gute Nacht“ sagen: Von seinem Bett aus hat er gerade mit seinem französischen Akzent „jo-ana?“ geflüstert, als ich ihn dann anschaute und „Ja?“ fragte, strahlte er mich an und sagte winkend „Good night“.

Deine Worte in Gottes Ohr: Good night!

Tag 3: 15.Juli 2016

Hello it’s me!

Heute ungefähr 22km in ca. 6 Stunden gelaufen. Ich habe richtig Farbe im Gesicht bekommen, denn heute kam die Sonne mal raus! Es war zum Glück auch nicht zu heiß. Eigentlich perfekt. Eigentlich. Wären da nicht die Schulterschmerzen. Diese lassen mich sogar meine Blasen an den Füßen vergessen. Diese besagten Blasen haben mich gerade zu dem Entschluss geführt, dass ich morgen mit meinen Sandalen laufen werde.

Es gibt übrigens neue Infos über meine Begleiter: mein Pilgerpapa heißt Francois und der Freund von Elliot heißt Julien. Wir sind heute wieder zusammen gelaufen und hatten viel Spaß. Francois hat heute mal wieder seine Hilfsbereitschaft bewiesen, indem er mehreren Pilgern ihre Schmerzen erträglicher machte. Dieser Mann ist echt ein Phänomen. Ich und das Phänomen ziehen ab morgen übrigens alleine weiter, weil Elliot und Julien heute von Elliot`s Mama abgeholt wurden.

Vorher hat Julien auf Francois Vorschlag hin mit mir seinen Rucksack getauscht. Francois war der Meinung, dass meine Schulterschmerzen daher kämen, dass mein Rucksack zu groß für mich ist. Also habe ich jetzt Juliens Rucksack. Es fühlt sich an wie der Himmel auf Erden und ich bin ihm unendlich dankbar. Die heutige Pilgerherberge in Pamplona ist riesig, aber sauber, schön und modern.

Francois weiß, dass ich auf der Suche nach Gott bin und hat mich auf Folgendes aufmerksam gemacht: Er sagte heute, dass Gott eigentlich überall ist, wo Menschen anderen Menschen helfen. Und das ist auch der Grund seiner Hilfsbereitschaft. Er sagte, dass die Menschen helfen wegen Gott. Auch wenn bei seiner englischen Erklärung das Wort nicht fiel, wusste ich, dass er Nächstenliebe meint.

Habe heute das erste Mal geweint. Keine Ahnung warum.

Tag 4: 16.Juni 2016

Hello it’s me!

Heute 24km (gefühlt viel mehr, aber gut) in ca. 6 1/2 Stunden gelaufen.

Meine Füße brennen und mein linkes Bein tut weh wie sonst was. Ich kann es eigentlich kaum noch bewegen. Deswegen musste ich heute auch extrem viele „Päuschen“ einlegen. Musste mich heute von Francois trennen, denn seine Füße haben nicht mehr mitgespielt. Nachdem wir nach einer sehr kurzen Nacht (es war unheimlich laut) heute morgen um 6 Uhr aufgestanden sind, sagte er schon, dass er aufhören muss. Dann wollte er es doch versuchen, also kurz gefrühstückt und dann los.

Es war heute sehr heiß und man sah allen Pilgern an, dass die Hitze das Wandern nicht gerade erleichtert. Ungefähr bei der Hälfte ging es bei Francois nicht mehr. Er schenkte mir zum Abschied noch eine Salbe, gab mir seine Kontaktdaten und versuchte mir zum 100. Mal zu erklären, was passieren kann, wenn ich mich mit den falschen Leuten abgab.

Also ging ich alleine weiter.

Die Sandalen, die ich anstatt der Wanderschuhe trug, wirkten Wunder. Wenn der Schmerz in meinem linken Bein nicht wäre, wäre mir das Laufen womöglich richtig leicht gefallen. Wenn ich in Köln bin, werde ich mich erstmal bei der Verkäuferin bedanken, die mir die Sandalen angedreht hat.

Aber jetzt: NACHTI!

Tag 5: 17.Juli 2016

Hello it’s me!

Ganze 7,1km habe ich geschafft. Und das war heute wirklich eine Quälerei mit dem Bein. Ich frag mich, wann diese Schmerzen gedenken endlich zu verschwinden. Zudem war es heute mal wieder ziemlich heiß.

Durch meine Pausen nach jeden gefühlten 100m bin ich meistens alleine gelaufen. In diesem Ort, wo ich gerade bin, gibt es so gut wie nichts. Man kann in 2min eigentlich das ganze Dorf sehen, weil es so klein ist. Hier angekommen habe ich mir erstmal ein Eis gegönnt, in dem einzigen „Laden“, den ich hier gesehen habe. Liege jetzt in meinem Bett in der Herberge. Hoffe der Schmerz ist morgen weg.

Tag 6: 18.Juli 2016

Hello it’s me!

Der Schmerz im linken Bein ist natürlich nicht weg. Trotzdem weiter gelaufen.

In Viana habe ich auf dem kleinen Dorfplatz gefrühstückt und bin durch die Stadt gelaufen. Die meisten Geschäfte hatten noch geschlossen und die Herberge erst recht, mein Stadtrundgang war auch beendet, also beschloss ich ich nach kurzem Zögern (wegen dem Bein) nach Logrono weiter zu laufen. 10km sind nicht viel, mit dem Bein aber schon.

Um mich vom Schmerz abzulenken, habe ich beim Laufen das letzte Helene Fischer Album einmal komplett rauf und runter vor mir her gesungen.

Die Strecke war zum Glück relativ flach. In Logrono endlich angekommen und nach dem Mittagsschläfchen und Duschen habe ich mir die die Kathedrale und die Stadt angeschaut. War in der Apotheke für meinen Oberschenkel und man wollte mir wieder Voltaren andrehen, was aber ja nicht half. Die Frau gab mir dann ein Spray. Hoffentlich hilft das! Logrono gefällt mir. Schöne Innenstadt mit sehr schönen Einkaufspassagen.

Meine Bettnachbarn sind übrigens 2 witzige Jungs aus Bulgarien!

Nacht!

Tag 7: 19.Juli 2016

Hello it’s me!

Bin heute trotz dem Bein 12,4km gelaufen…ich frage mich gerade wie ich das geschafft habe.

Die Strecke heute war sehr schön, es ging auf einer großen Allee durch Park und Wald und an einem großen See vorbei. Bin heute ein bisschen mit einem Holländer gelaufen und einen langen Teil der Strecke mit einem Engländer, der aber in Frankfurt wohnt, also gut Deutsch sprach. Irgendwann haben wir uns getrennt, weil ich mit meinem Bein nicht mit ihm mithalten konnte. Die Trinkbrunnen auf dem Weg sind der bei Hitze wirklich GOLD WERT!

Irgendwann kam ich an eine Holzhütte, in der Marcelino saß. Auf ihn wurde in meinem Reiseführer hingewiesen, in dem er auch gleich unterschrieb. Er sitzt da also den ganzen Tag, unterhält sich mit den Pilgern, verteilt Stempel und verschenkt kleine Snacks. Eine richtige Attraktion. Auch gerade bei Marcelino war ein junger Italiener, der mich behandelte als wäre ich das Mädchen, das er sein ganzes Leben gesucht und jetzt gefunden hätte. Ich fand ihn witzig. Leider konnten wir uns nicht wirklich verstehen…Schade..sonst wären wir wahrscheinlich das neue Traumpaar geworden. ;)

In Navarette angekommen ging’s in die Herberge von Michael, ein Deutscher, der hier Gäste empfang. Sehr nett hier!

Hier habe ich Werner kennengelernt. Seine Geschichte ist unglaublich: Er ist im April in Stuttgart gestartet, bis Santiago gelaufem und befindet sich gerade wieder auf dem Rückweg auf seiner 101. (!!) Etappe!

Ansonsten sind hier noch 2 nette Mädchen aus Italien, die auch auf meinem Zimmer sind! Sie heißen Alessandra und Elena und haben mich mit in die „City“ genommen. Wir haben noch 2 Jungs auf unserem Zimmer, von denen keiner von uns weiß, woher sie kommen. Elena interessiert sich für den mit den langen Haaren. Wir haben uns gerade beraten, wie sie ihn am Besten ansprechen könnte. Elena hat sie direkt gefragt, ob sie mit uns Abend essen wollen. Und sie haben „ja“ gesagt!
Die 2 sind übrigens aus Dänemark, wie wir inzwischen wissen. Es war einer der lustigsten Abenden bisher auf dem Camino.

In der Herberge gab es tolles Essen, leckeren Wein und nette Leute. Die 2 Dänen, Alessandra, Elena und ich saßen noch neben 2 Amerikanern, Werner und 3 weiteren Deutschen. Alle haben was aus ihrem Land und ihrer Kultur erzählt.

Tag 8: 20.Juli 2016

Hello it’s me!

Heute trotz des Beins 17,3km gelaufen. Heute ging es abgesehen von dem Schmerz (der entweder minimal kleiner wird oder an den ich mich langsam schon gewöhnt habe) erstaunlich gut. Ich habe zwar wieder viele kleine Pausen gemacht, aber hatte ein ganz flottes Tempo drauf. Vielleicht lag das auch daran, dass heute keine Sonne da war! Ich konnte meinen Hut den ganzen Tag im Rucksack lassen! Heiß war es trotzdem, aber weniger als sonst.

Hier angekommen waren meine Füße natürlich trotzdem am Qualmen. Najera gefällt mir. Ein kleines Örtchen mit vielen großen Sportanlagen und einem Fluss mit mehreren kleinen schönen Brücken. Mein Mittagsschläfchen war ziemlich lang und ich werde jetzt auch früh schlafen gehen. Bin richtig kaputt.

Gute Nacht!

Tag 9: 21.Juli 2016

Hello it’s me!

Heute 22,8km gewandert. Die Schmerzen waren heute wieder komplett da. Aber hatte ich schon gesagt, dass meine Schulterschmerzen 100% weg sind und ich von meinen Blasen absolut nix mehr merke? Das Laufen könnte richtig entspannt sein.

Heute ging’s viel bergauf und bergab. Richtig anstrengende Etappe! Dafür habe ich den Italiener wieder getroffen. Wir haben’s nochmal versucht, aber verstehen und einfach nicht. Dann hab ich noch Johanna (Hehe) aus der Nähe von Frankfurt und eine Freundin von ihr aus Österreich getroffen und kennengelernt. Sie hatten ein paar Tage zuvor in einer Kirche im Gästebuch einen Eintrag von einer Johanna aus Köln gelesen und fanden es äußerst witzig mich jetzt zu treffen. Was auch witzig heute war, ist Folgendes:

Eine Frauenwandergruppe aus Spanien hatte heute richtig ihren Spaß, sie haben den ganzen Weg gesungen und rumgealbert. Als neben unserem Feldweg ein riesiges Gebiet mit Stroh war, ließen sie sich ins Stroh fallen und luden jeden Pilger, der vorbei kam, ein auch eine Pause im Stroh zu machen. Irgendwann waren wir locker 20 Pilger, die im Stroh rumlagen. Dann haben wir von jedem Pilger in seiner Sprache „Stroh“ gerufen und alle haben Stroh in die Luft geworfen. Es waren Leute vertreten aus Spanien, Frankreich, Korea und Deutschland. Eine unterhaltsame Pause.

Danach ging es weiter. Es gab einen Moment heute auf dem Weg, wo ich mir nichts sehnlichster gewünscht habe, als ein kaltes Kölsch!

Das man das hier kriegt ist leider komplett unmöglich. Die Herberge heute ist ähnlich wie die von der ersten Nacht, eine riesig große und ca. 210 Leute passen hier rein. Ich war natürlich eben auch in der berühmten Kirche hier von Santo Domingo mit dem Hahn drin.

Tag 10: 22.Juli 2016

Hello it`s me!

Meine Füße empfinden den bisherigen Höhepunkt an Schmerzen. Heute 23km gelaufen. Habe inzwischen einen Rhythmus gefunden um mit dem Oberschenkelschmerz zu laufen. Klappt einigermaßen.

Die Herberge hier gefällt mir sehr gut: Die Betten sind bequem und in den Badezimmern riecht es nach Eistee. Es gibt sogar einen Pool, aber es scheint wieder mal keine Sonne und es ist sogar eher kalt als warm. Beim Wandern habe ich heute wieder viel nachgedacht. Man bekommt hier Gedanken, die im Alltag nie entstehen könnten. Das ist unglaublich toll. Der „Alltag“ hier sieht eigentlich so aus: Aufstehen, Wandern, Schlafen, Duschen, Essen und wieder schlafen.

Letzteres mache ich jetzt auch!

Tag 11: 23.Juli 2016

Hello it’s me!

Nach langem Überlegen habe ich mich dazu entschlossen jetzt wirklich mal konsequent 1 oder vielleicht sogar 2 Tage Pause zu machen um der „Genesung“ des Oberschenkels eine Chance zu geben. Habe also heute für eine kurze Strecke den Bus genommen und bin jetzt in Burgos. Wunderschöne Kathedrale!!! Jedenfalls von außen…drinnen ist es jetzt nicht überragend. Und morgen geht es dann hoffentlich besser weiter.

Habe aktuell genau 110 Mückenstiche! Am meisten an den Armen. Da ist eigentlich alles voll. Glaube das ist persönlicher Rekord! Jetzt aber ersmal schlafen..

Tag 12: 24.Juli 2016

Hello it’s me!

Bin heute 22,1km gelaufen. Und siehe da! Mein Bein tut nicht mehr weh!!! Okay…vielleicht minimal, aber davon will ich mal absehen.

Die Sonne ist auch wieder da! Und wie! Und die Mückenstiche sind auch noch da. Und wie! Die jucken wie verrückt. Sonst aber alles gut.

Hatte gerade ein Gespräch mit einem deutschen Mädchen, das mich wirklich nachdenklich gemacht hat. Sie hatte schon eine persönliche Begegnung mit Gott und hat mir gerade davon erzählt. Das erläutere ich hier jetzt aber nicht genauer. Nur so viel: Sie ist Gott begegnet, als es ihr sehr schlecht ging und sie total verzweifelt war. Vielleicht werde ich Gott hier auf dem Weg gar nicht begegnen, weil es mir gut geht. Auf jeden Fall eine Überlegung wert. Ich hoffe weiterhin auf eine persönliche Begegnung, aber hätte jetzt auf jeden Fall eine plausible Erklärung, falls es nicht stattfindet…

Heute Abend habe ich mit einem netten älteren Paar aus Kanada (Bryan und Martha) und einem 17-jährigen Mädchen aus Kolumbien zusammen Abend gegessen. Wir hatten unfassbar viel Spaß. Bryan ist den Weg letztes Jahr aus dem selben Grund wie ich gegangen. Er hat Gott in seinem Herzen gefunden. Das Mädchen geht den Weg um sich selber zu finden. Als ich ihr sagte, dass ich Gott finden will, sagte sie: „Vielleicht ist das ja das Gleiche…“

Wieder eine sehr zum Nachdenken angeregte Unterhaltung. Heute habe ich viel über die Suche nach Gott gelernt. Morgen geht es weiter.

Gute Nacht!

Tag 13: 25.Juli 2016

Hello it’s me!

Ahh! Heute 32,3km gelaufen! Und gerade tut mir noch nicht mal irgendwas weh. Unmittelbar nach dem Laufen hatte ich zwar Fuß- und ein bisschen Schulterschmerzen, aber jetzt gerade alles super.

Bin um 6 Uhr alleine gestartet. Alleine war ich dann nicht mehr lange, weil bald Marianne zu mir stieß. Das ist die junge deutsche Frau, die unter mir letzte Nacht geschlafen hat und mit der ich mich gestern schon gut unterhalten habe. Sie ist jetzt meine neue Freundin!

Wir sind heute zusammen den ganzen Tag gelaufen, haben zusammen Pause gemacht und gegessen und liegen jetzt nebeneinander in der neuen Herberge. Ohne sie wär ich heute GARANTIERT nicht so weit gelaufen.

Wir haben uns den ganzen Tag unterhalten und hatten echt viel Spaß. Ich mag sie! Sie ist übrigens 27 und ein sehr positiver Mensch. Wir beide haben uns glaub ich echt nicht gesucht, aber zum Glück gefunden.

Heute war der bisher heißeste Tag auf dem Camino, glaub ich. Vor allem, weil es die meiste Zeit nicht einen einzigen Baum gab, der Schatten gespendet hat. Deswegen war man umso glücklicher, wenn man irgendwo kalte Getränke kaufen konnte oder einen Brunnen gefunden hat. Meine Mückenstiche sind nochmal mehr geworden. Und die alten sind nochmal größer geworden. Aber es geht.

GUTE NACHT

Tag 14: 26.Juli 2016

Hello it’s me!

Heute 29km gelaufen! Obwohl wir gestern schon so viel gelaufen sind und obwohl heute wieder eine Affenhitze da war!

Der Part von Burgos nach Leon (hat man mir heute erzählt) ist der schlimmste auf dem ganzen Weg! Man geht wirklich unglaublich lange (etliche Kilometer) ohne einen Baum zu sehen, der Schatten spendet. Marianne und ich sind heute ca. um 7 Uhr los (obwohl schon 5:30 Uhr der Wecker geklingelt hat). Wir sind heute viel mit Emma (24 Jahre) aus Paris gelaufen. Die treffen wir garantiert morgen wieder. Total nett und kommunikativ. Was Marianne und mir heute aufgefallen ist: es sind seit gestern viel weniger Pilger unterwegs und das kann (wie Emma sagte) durchaus daran liegen, dass viele die Strecke zwischen Burgos und Leon überspringen. Wir nicht!

Marianne und ich verstehen uns wirklich gut und liegen gerade nebeneinander in der Herberge, die außer uns nur noch 2 andere Pilger bewohnen. Es ist immer noch unendlich heiß. Gleich stechen wir meine eine Blase auf. Okay, Marianne sticht sie auf. Mir tut übrigens mal wieder wirklich nix weh! Glaube mein Körper hat sich an das Wandern gewöhnt! Alles gut!

Nachti

Tag 15: 27.Juli 2016

Hello it’s me!

Wichtigstes zuerst: Gott ist mir auf eine bestimmte Art und Weise heute begegnet!!

Alles in allem was das heute ein sehr sehr verrückter Tag und Marianne und ich sind total müde (es ist gerade mal 20:30 Uhr). Wir hatten nämlich vor lauter Chaos, was heute hier los war, keine Zeit zum Mittagsschlaf. Deswegen wird’s heute auch kürzer, obwohl es total viel zu „erzählen“ gibt.

Soviel schonmal: Ich lieg hier gerade im Bett, nur mit Kleidungsstücken, von denen nicht ein einziges Teil mir gehört.

Aber eins nach dem Anderen: Nach dem Aufstehen sind Marianne und ich losgelaufen und man hat schon morgens gemerkt, dass es wieder ein sehr heißer Tag wird.

Ansonsten war das Wandern wieder wie eh und je: Wir beide hatten total viel Spaß. Marianne erzählt unheimlich gerne und ich höre ihr gerne zu, denn mit jeder Geschichte aus ihrem Leben will sie mir was für mein Leben mit auf den Weg geben. Ich habe schon unheimlich viel von ihr gelernt.

Wir hatten heute DAS (so sagt man) krasseste Stück des Camino vor uns, weil es ganze 18 km durch die Meseta geht, ohne ein Dorf, einen Brunnen oder Schatten.

In der Herberge ging dann das Chaos los :)

Wir haben dort Verena (Ende 50) aus Österreich kennengelernt und uns mit ihr unterhalten. Noch war alles ganz normal, doch bald merkten wir, dass diese Frau nicht normal war :)

Marianne hatte nämlich den Verdacht, dass meine Mückenstiche, die nur auf meinen Armen und meinen Füßen waren, keine Mückenstiche sind, sondern sogenannte „Bedbugs“ (Bettwanzen).
Wir waren gerade mit Mariannes Handy am googeln, was Bedbugs genau sind, als Verena genau das mitbekam.

Marianne und ich hatten schon geplant meine ganzen Sachen inklusive Schlafsack mal in der Waschmaschine zu waschen, damit wir, falls noch Bedbugs da waren, diese vernichten konnten. Wir hielten es aber für wahrscheinlicher, dass die Bedbugs nur in einem Bett waren und ich keine in meinen Sachen hatte, weil ich ja schon seit 4-5 Tagen keine neuen Bisse mehr bekommen hatte.
Naja, auf jeden Fall hat Verena das mit den Bedbugs mitbekommen und ab da war alles zu spät. Sie war sich nach einem Blick auf meine Füße zu 100% sicher, dass das von Bedbugs kam und sagte ich muss meine ganzen Sachen (mit der Waschmaschine) waschen, sonst verteile ich das noch und andere Pilger kriegen auch die Bedbugs. Marianne erklärte ihr, dass die Bedbugs eh schon
lange weg sind, weil keine neuen Bisse dazu gekommen sind und dass wir trotzdem gleich alles in die Waschmaschine machen wollten, aber gerade noch eine andere Ladung in der Waschmaschine ist.

Verena hat sowas Ähnliches wie Panik geschoben und wollte (fast schon sauer) wissen, warum ich nicht schon, als ich die Bisse bemerkt habe, in der entsprechenden Herberge Bescheid gesagt hätte, denn die wüssten, was zu tun ist. Marianne und ich haben mehrmals versucht ihr klar zu machen, dass ich noch nie in meinem Leben davon (von Bedbugs) gehört hatte und dachte, dass das Mückenstiche sind. Das hat sie absolut nicht kapiert und auch, dass gerade die Waschmaschine in Betrieb war, wollte sie nicht verstehen.

Marianne und ich warteten im Garten der Herberge ganz gechillt, während Verena auf einmal aufstand und zu der Hospitalero-Dame der Jugendherberge ging. Die redeten irgendwas auf Spanisch und diese Verena zeigte die ganze Zeit auf mich. Letztendlich war es so: Verena hat der Hospitalero-Dame gesagt, dass ich Bedbugs hätte und hat voll die Welle geschoben. Sie hat regelrecht so getan, als hätte ich ne Seuche oder sowas in der Art :)

Meine ganzen Sachen (inklusive Schuhe, Regenjacke und Schlafsack) wurden mit irgendwelchen Chemikalien eingesprüht und danach 2 Stunden eingeweicht und ab in die Waschmaschine. Meine restlichen Sachen (die Gegenstände) wurden ebenfalls eingesprüht und mein Bett auch. Mein Rucksack wurde komplett ausgeräumt und eingesprüht und dann in einen schwarzen Müllsack gesteckt und in die Sonne gestellt, damit sich die Hitze darin staut und die angeblichen Bedbugs absterben. Das alles hat die wirklich unfassbar nette Hospitalero-Dame gemacht. Und zwar, nicht weil sie auch glaubte, dass die Bedbugs noch da sind, sondern eigentlich nur um diese Furie Verena zu beruhigen. Sie verstand nämlich auch die Aufregung von Verena nicht. Naja….

Dadurch, dass wirklich ALLES von mir gewaschen wurde, hatte ich natürlich nichts mehr zum Anziehen. Marianne gab mir ein T-shirt von ihr, nur waren all ihre Hosen noch nass vom Waschen, so dass ich davon keine nehmen konnte. Die Hospitalero-Dame schenkte mir daraufhin eine Hose von dem Fundsachen-Fundus. Ich, Johanna, hätte die Hose natürlich einfach so angezogen, aber die Dame war so nett sie mir noch eigenhändig gründlich zu waschen und zu desinfizieren.

Also hatte ich auch wieder was zum Anziehen. Ich fand die ganze Sache eigentlich ziemlich witzig. Nach unserem Abendessen war meine Wäsche in der Jugendherberge noch lange nicht fertig. Die Hospitalero-Dame wurde von ihrem Kollegen abgelöst, der ab jetzt für die Wäsche zuständig war. Ein sehr netter junger Mann (Marianne und ich haben ihn „Enrique“ getauft). Wir entschuldigten und zum wiederholten Mal bei der Dame für den ganzen Aufwand, aber sie sagte nur, dass das doch selbstverständlich wäre und verabschiedete sich bei uns beiden mit Küsschen recht, links und einer Umarmung. Als sie weg war, sagte ich zu Marianne: „Boar, wie unfassbar nett ist denn bitte diese Frau?“ Und Marianne sagt zu mir:“Johanna, vielleicht war das jetzt eine Begegnung mit Gott“ Und ich wusste Marianne hatte Recht. :)

Meine ganzen Sachen sollten über Nacht trocknen und ich habe eine Decke bekommen.

NACHT!

Tag 16: 28.Juli 2016

Hello it’s me!

Marianne und ich sind heute um 5:00 Uhr aufgestanden und 23,6 km gewandert. Meine Sachen sind über Nacht getrocknet und sauberer als je zuvor :)

Es war heute unglaublich heiß. Bei unserem ersten Stop im ersten Dorf haben wir gefrühstückt. Beim nächsten Dorf legten Marianne und ich uns unter einen Baum in den Schatten auf die Wiese und schliefen erstmal ne halbe Stunde. Wir waren beide unglaublich müde, weil wir ja gestern kein Mittagsschlaf halten konnten, weil Verena so einen Bedbugs-Stress geschoben hatte. Angekommen haben wir in einer großen Herberge eingecheckt. Sie befand sich in einem Dachstuhl und war mal anders als die anderen.

Es war so unfassbar heiß, sodass Marianne und ich beschlossen ohne Schlafsack zu schlafen.

Nachti

Tag 17: 29.Juli 2016

Hello it’s me!

Au man! Marianne und ich sind total fertig!

Die letzte Nacht war bisher die schlimmste auf dem Weg. Wir haben noch nie so wenig geschlafen! Man konnte in dieser Herberge gar nicht schlafen. Es war die ganze Nacht so unglaublich warm und es war so eine schlechte Luft in diesem ganzen Raum. Todmüde haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Am Anfang waren wir trotzdem erstaunlich gut drauf und hatten wieder mal viel Spaß. Wir haben schon öfters gesagt, dass das wahrscheinlich ein Zeichen von Gott war, dass wir beide uns gefunden haben. Darüber bin ich unglaublich froh und total dankbar. Wir sind voll auf einer Wellenlänge. Sie hat eben gesagt, dass sie mich gerne als kleine Schwester gehabt hätte. :)

Und im Restaurant hat sie der Frau gerade erklärt, dass ich ihre Schwester im Herzen bin.

Naja, auf jeden Fall war der Weg am Anfang noch angenehm. Später wurde er immer schlimmer! Mein Bein hat wieder angefangen zu schmerzen und Mariannes Beine ebenfalls wegen der Sonnenallergie. Es wurde gegen Ende wirklich eine Quälerei. Und das, wo wir ja auch noch so müde waren. Und die Sonne kam natürlich auch noch dazu.

Relativ früh waren wir dann schon an der Herberge und gönnen uns heute sogar ein Doppelzimmer. Das hängt zum Einen damit zusammen, weil wir uns direkt nach der Ankunft schlafen legen wollten und weil wir heute Abend früh ins Bett gehen wollen, um diese Nacht um 3 oder 4 aufzustehen. Wir wollen nämlich mal nachts wandern. Sind beide schon richtig aufgeregt und freuen uns. Also: Herberge angekommen, Doppelzimmer, geduscht, beim Supermarkt Mittagessen gekauft, hier auf der Wiese gegessen, dann geschlafen, dann gechillt, Wäsche gewaschen, wieder zum Supermarkt und Verpflegung für morgen holen, dann ins Restaurant und jetzt Bett fertig machen und dann SCHLAFEN!

Tag 18: 30.Juli 2016

Hello it’s me!

Wir sind heute 25km gelaufen. Und um 4:00 Uhr diese Nacht aufgestanden!

Am Anfang sind wir wirklich im STOCKDUNKLEN gelaufen. Das war ziemlich witzig, aber auch ein bisschen gruselig. Aber wir haben ja auf uns gegenseitig aufgepasst. Wir mussten richtig aufpassen, dass wir die gelben Pfeile im Dunkeln nicht übersehen. Zum Glück hatten wir beide Taschenlampen. Was total schön war: der Sternenhimmel. Irgendwann wurde es dann natürlich hell und die Sonne kam. Aber wir kamen (so war der Plan) nicht in die Mittagshitze, denn um 12:00 Uhr waren wir schon in der Herberge. Dann haben wir den ganzen Tag eigentlich gechillt und waren beim Supermarkt und so.

Das eher nicht so schöne: Die Bedbugs sind zurück!

Und zwar bei uns beiden! Marianne hat die Arme voll und ich die Beine! Und außerdem gibt es in der heutigen Herberge unfassbar viele Ameisen, die die ganze Zeit auf uns rumkrabbeln und Marianne auch schon gebissen haben. Das geht einem echt auf die Nerven! Marianne und ich haben schon festgestellt: Alle warnen vorher vor Blasen und co. und in Wirklichkeit hat man ganz andere Probleme :)

Ich habe zwar Blasen, aber die bemerke ich gar nicht. Und jeder hier auf dem Camino hat andere Schmerzen. Aber für jeden sind die Schmerzen nur ein winzig kleiner Teil im Gegensatz zu dem großen positiven Teil hier. Die ganzen Erfahrungen und co. Wie Hape Kerkeling schon schrieb: „Dieser Weg ist hart und wudervoll.“. Wir haben eben schon gegessen und haben uns mit einer netten Familie aus England und einer Frau aus Frankreich unterhalten. Jetzt haben wir unseren letzten gemeinsamen Abend leider, denn Marianne beendet morgen in Leon den Weg und fliegt wieder nach Hause wegen der Arbeit. Irgendwann will sie wieder kommen und den Rest laufen. Ich weiß jetzt schon, dass ich sie unheimlich vermissen werde. Ich habe das Gefühl, dass ich sie schon ewig kenne und dass ich ihre komplette Lebensgeschichte kenne und sie meine. Wir werden auf jeden Fall den Kontakt halten. Schwesterherzen eben.

Jetzt chillen wir noch ein bisschen im Garten und recherieren über Bedbugs. Dann gehen wir schlafen.

Gute Nacht!

Tag 19: 31.Juli 2016

Hello it’s me!

Heute war alles in allem ein trauriger Tag, weil Marianne jetzt weg ist. Aber davor ist uns wieder mal viel passiert:

Haben heute ein kleines bisschen länger geschlafen, weil wir nach Leon nur noch 10km gehen mussten. Es waren ja die letzten 10km waren, die Marianne und ich zusammen gingen. Ich vermissen sie jetzt schon unfassbar. Ich meine, wir hingen eine ganze Woche 24 Stunden zusammen. Da fehlt einem schon auf einmal was.

Als wir heute in Leon angekommen sind haben wir erstmal nach einer Herberge gesucht, in der ich heute schlafen konnte, die dieses Anti-Insekten-Spray für Bedbugs hat und bereit war unsere ganzen Sachen von den Bedbugs zu befreien. Als wir bei den ersten 2 Herbergen „abgelehnt“ wurden haben wir uns erstmal ein ordentliches Frühstück gegönnt. Das war ein wirkliches Luxusmahl mit den sogenannten „Churros“ mit Schokolade. Unsere Bedbugs waren für eine halbe Stunde vergessen :) In der dritten Herberge, wir konnten es kaum glauben, wollte man uns tatsächlich helfen! Juhu! Man wollte nicht nur, man konnte auch. Ich bekam mein Zimmer für die Nacht und dort haben Marianne und ich dann unsere Rucksäcke komplett ausgepackt und alles ausgezogen. Das Prozedere war uns ja schon bekannt :)

Der nette Mann sprayte dann unsere ganzen Sachen + Rucksäcke ein und dann kam alles in große schwarze Müllbeutel. Er sagte, sobald das Zeug eingewirkt war, würde er es in die Waschmaschine und danach in den Trockner tun, sodass alles pünktlich zu Mariannes Abreise fertig war. Zum Glück waren wir schon gegen 12:00 Uhr da und die Herberge war noch leer, so dass keiner von der „Plage“ etwas mitbekam :)

Eine Putzfrau gab uns netterweise 2 Handtücher und so konnten wir nacheinander duschen und uns von den Bedbugs befreien. Danach lagen wir in dem Raum und mussten warten. Ich fand es eigentlich ziemlich witzig. Ich glaube auch, dass ich keine neuen Stiche bekommen hatte, aber Marianne hatte es ähnlich schlimm erwischt, wie mich ein paar Tage zuvor. Dafür hatte ich in meinen Armkehlen irgendeinen Ausschlag, bei dem wir beide nicht mehr weiter wussten. Was gut war: Mariannes Beinausschlag (vermutlich die Sonnenallergie) war besser geworden. Naja, so lagen wir da also eingewickelt in den Handtüchern rum :)

Relativ schnell klopfte es dann an der Tür und der Mann kam mit unseren gereinigten Sachen wieder.
Angezogen packte Marianne dann ihren Rucksack. Ich ließ meine Sachen in der Herberge und dann zogen wir los durch Leon. Nach der Besichtigung und einem kleinen Snack war es dann leider soweit: Wir standen am Busbahnhof und mussten „Tschüss“ sagen. Marianne fuhr mit dem Bus nach Madrid und nahm von da den Flieger nach Deutschland. Ich fing mal wieder auf dem Camino an zu weinen, nur dieses Mal wusste ich ganz genau warum: weil Marianne ging. Ich fand das wirklich traurig und sie auch. Aber wir würden uns ja gegenseitig besuchen und wiedersehen, wir Schwestern im Herzen. So fuhr Marianne also davon. Ich lief danach noch durch Leon, sah mir die Kathedrale an und kaufte ein. Danach in der Herberge schrieb ich Postkarten. Auf meinen Postkarten habe ich übrigens geschrieben, dass ich schon 490 km gelaufen bin und über die Hälfte geschafft hab und Gott begegnet bin. Mein Wunsch Gott zu finden hat sich also bereits erfüllt. Alles, was ich wollte. Eigentlich kann ich schon wieder nach Hause, aber den Rest lauf ich natürlich jetzt auch noch!

Tag 20: 1.August 2016

Hello it’s me!

Heute persönliche Höchstleistung gemacht und 33,2km gelaufen! Ahh! Meine Füßen taten, als ich in der Herberge ankam, so weh, wie noch nie.

Jetzt geht es wieder einigermaßen. Mein Ausschlag in den „Armkehlen“ ist durch eine Cortison-Creme, die mir Marianne gegeben hat, besser geworden.

Dafür habe ich mir neue Blasen eingefangen. :)

Ansonsten alles gut. Die Herberge ist total schön. Marianne vermisse ich natürlich total und es war auch komisch heute ohne sie zu laufen. Jetzt nach dem anstrengendem Tag erstmal schlafen. Nachti

Tag 21: 2.August 2016

Hello it’s me!

Bin heute „nur“ 18km gelaufen. Aber in Astorga wollte ich unbedingt bleiben, weil die Stadt so schön sein sollte und der erste Eindruck bestätigt das.

Heute morgen bin ich erst um 8:00 Uhr los.
Ich bin in einer großen Herberge gelandet, aber alles ist super und die Zimmer nur 10-Bett-groß.
Hier in der Herberge wurden heute „Behandlungen“ für die Füße angeboten. Studenten von der Uni hier machen hier in der Herberge ihr Praktikum. Meine Blasen an den Füßen wurden also ausgiebig behandelt. Habe jetzt überall so weiße große Pflaster drauf. Aber die Studentin war ziemlich zufrieden damit, wie ich die Blasen bisher behandelt hatte. Morgen soll ich die Pflaster dann abmachen. Mal sehen, was es gebracht hat. Astorga ist echt schön und hat eine tolle Innenstadt.

Jetzt gehts aber ab ins Bett!

Tag 22: 3.August 2016

Hello it’s me!

Heute 26,6km gewandert. Und heute ging es wieder bergauf und zwar nicht wenig. Foncebadon ist ein kleines Dorf mitten auf einem Berg. Bisschen komisch hier. Man hat den Eindruck der Ort besteht ausschließlich aus Pilgerherbergen. Hape Kerkeling hat hierzu „Geisterstadt“ gesagt.
Meine Blasen tun, wie vor der Behandlung gestern, nicht weh, aber ich glaube es war trotzdem gut, dass sich das mal Experten angeguckt haben.

Trotz neuer Freunde auf dem Weg: ich vermisse Marianne immer noch unfassbar!

Vor allem weil gerade im Moment eine Frau all ihre Kleidung in einen großen schwarzen Müllsack packt..das riecht nach BEDBUGS! Hey! Und ich dachte schon, dass Marianne und ich die Einzigen sind, die diese Viecher bekommen können :)

Morgen gehts zum höchsten Punkt des ganzen Caminos! Adios!

Tag 23: 4.August 2016

Hello it’s me!

Heute 28 km gelaufen. Meine Füße schmerzen heute sehr, weil es heute unendlich viele Kilometer einfach nur steil bergab ging. Das ging auch sehr in die Knie.

Als es heute morgen los ging, hat Foncebadon dem Titel „Geisterstadt“ alle Ehre gemacht. Es war noch stockdunkel und mega nebelig. Man konnte ca. 10 Meter weit sehen. Und es war kalt! Kalt war es heute eigentlich den ganzen Tag! Und es hat sogar geregnet. Heute ging es übrigens zum Cruz de Ferro, wo jeder Pilger einen Stein ablegen kann. Das habe ich natürlich auch gemacht. Mein Rucksack ist jetzt ein paar Gramm leichter :)

Ab dem Cruz de Ferro bin ich heute mit Alex ein Stück gelaufen. Wir haben uns heute kennengelernt. Wir haben uns nett unterhalten und was ich äußerst interessant fand: Alex geht den Weg nicht wegen Gott, er weiß eigentlich überhaupt nicht warum er den Weg geht. Er hatte einfach das Verlangen und wurde sozusagen gerufen. Er ist gläubig, war früher aber mehr , ich sag mal, „gläubig unterwegs“ und hat Gott sozusagen aus den Augen verloren. Und wie gesagt, er geht den Weg nicht wegen Gott. ABER: Auf dem Weg ist er Gott wieder näher gekommen und hat seinen (ja eigentlich immer da gewesenen) Glauben wieder gefunden. Sehr spannend! Die Herberge heute ist riesengroß und ich komme gerade aus der Pilgermesse. Einer der Mönche hat was unheimlich spannendes gesagt: Er hat uns gefragt, wieviele Kilometer der Camino lang ist und somit wieviele Kilometer wir haben um Jesus zu finden. Alle haben gesagt, dass der Camino ca. 800 km lang ist. Und da sagte der Mönch: Der eigentliche Camino ist noch nicht mal einen Meter lang. Denn der geht vom Kopf (Verstand) zum Herzen. Dann sagte er noch, dass wir uns fragen: „Wer bin ich?“ und „Wer ist Jesus?“. Die Antwort ist: „Wir sind Jesus.“ Worte zum Nachdenken…

Gute Nacht!

Tag 24: 5.August 2016

Hello it’s me!

Bin heute 25 km in sage und schreibe nur 5 Stunden gelaufen! Mit Pausen! Und mit bergauf! Weiß auch nicht, warum ich heute so schnell unterwegs war :)

Meine „Herberge“ heute ist ein altes Kloster, das riesig groß ist und man muss aufpassen, dass man sich nicht verläuft! Ich bin in einem 2er Zimmer mit einer spanischen Frau, die UNFASSBAR LAUT schnarcht, wie ich eben beim Mittagsschlaf feststellen musste. Das Dorf hier finde ich ziemlich schön und alles wirkt so persönlich. Schmerzen habe ich heute eigentlich nur in den Beinen beim Treppen runtergehen. Alles gut. Morgen kommt die gefährliche LKW-Strecke dran, aber es soll auch eine alternative Route geben, den sogenannten „Camino Duro“, der besonders hart sein soll und mega steil. Ich habe mich noch immer nicht entschieden welchen Weg ich gehe. Mache ich dann ganz spontan.

Jetzt erstmal schlafen.

Tag 25: 6.August 2016

Hello it’s me!

AHHH! Heute war glaub ich der Tag, an dem ich am meisten geschwitzt habe!

Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass ich nicht weiß was Anstrengender war: Die Pyrenäen oder das heute. Bin heute den „Camino Duro“ gelaufen. Duro steht für „hart“. Total untertrieben. Es war wirklich schlimm. Aber ich schreibe morgen weiter, denn ich habe ein paar viele Glässchen Wein intus.

So der nächste Tag ist da und ich kann weiter schreiben. Die Gläser Wein habe ich übrigens gestern mit Pascal verdrückt. Vor ein paar Tagen habe ich ihn schon kennengelernt, ein netter Belgier, 35, Lehrer in Religion und Französisch. Aber erstmal zum Weg: wie gesagt = unglaublich hart. Ich war gestern völlig erschöpft.

Ich habe dort das erste Mal gedacht: „Was mache ich hier eigentlich für n Mist?“

Nach der Messe haben Pascal und ich uns dann Nudeln gekocht und sie verspeist und dazu nicht wenig Wein getrunken :)

Wir hatten wirklich sehr viel Spaß.

Wir haben uns wirklich über Gott und die Welt unterhalen (auf Englisch natürlich). Wir haben über die Liebe, Alkohol und das Leben geredet und hatten wirklich viel Spaß.
Irgendwann gesellten sich Alex und noch ein Freund zu uns (der Geburtstag hatte) und wir tranken noch mehr Wein. Irgendwann gings dann ins Bett :)

Tag 26: 7. August 2016

Hello it’s me!

Heute gings weiter so steil bergauf und ich habe das Gefühl heute war der heißeste Tag EVER! Das Schlimme ist: Bei jedem Schritt, den du bergauf gehst, weißt du, dass du den Schritt auch wieder bergab gehen musst. Und das ist mindestens genauso schlimm!

Welcher Spruch mir heute so beim Laufen eingefallen ist: Man sagt ja manchmal:“Es gibt gute Tage und es gibt Schlechte Tage“. Doch ich bin ab jetzt der Meinung, dass das nicht stimmt. Denn an jedem Tag, der schlecht sein könnte, lebst du. Und jeder Tag, an dem du lebst, ist ein guter Tag! :)
Pascal ist heute wieder in der gleichen Herberge wie ich und ruft mich jetzt nur noch „Sweety“ :) Der Typ ist so Hammer und mega witzig! Nacht!

27.Tag: 8.August 2016

Hello it’s me!

Heute „nur“ 20 km gelaufen. Mein Beinschmerz ist zurück, aber mir geht es trotzdem gut. Heute war mal wieder keine Sonne da und man ist eigentlich die ganze Zeit im Nebel gelaufen. Die Zeit ging ziemlich schnell um. Man merkt wirklich, dass man Santiago immer näher kommt. Es sind so unheimlich viele Pilger jetzt unterwegs. Viel mehr als die Wochen davor. Wenn alles gut läuft habe ich Santiago schon in 5 Tagen erreicht…ich kanns gar nicht glauben. Sarria ist aber nicht so schön, die Herberge zum Glück schon.

Hier kann ich bestimm gut schlafen :)

Tag 28: 9.August 2016

Hello it’s me!

Heute 22 km gelaufen. Ich hätte noch mehr laufen können hat mein Körper gesagt, aber ich habe beschlossen jetzt bei meinem Plan zu bleiben. Zum Glück: denn Portomarin gefällt mir sehr gut! Eines der schönsten Städtchen bisher. Mit einem schönen See, schöner Brücke, schöner kleiner Kirche und netten Gassen. Die Herberge find ich auch gut. Gleich werd ich mit meinem neuen französischen Freund Abend essen. Er hat mich heute Mittag eingeladen, dass er für mich kocht. Eben waren wir schon einkaufen.

Mal sehen, was der Franzose jetzt für ein Essen zaubert. Der Wein, der Wein….

Morgen schreibe ich weiter….

So jetzt: Der Franzose hat sich gedacht, dass er mir ja mal zeigen könnte, wie man kocht. Wir haben uns noch einen 20jährigen Koreaner, der aber in der USA lebt und perfekt Englisch spricht, an die Seite geholt und dann zu dritt gekocht. Es hat richtig Spaß gemacht. Danach haben wir unser Werk bei leckerem Wein und sehr netter Unterhaltung verspeist.

War auf jeden Fall ein netter Abend. Der Franzose (28 Jahre) hat mir von seiner Begegnung mit Gott auf dem Camino erzählt. Eine wirklich schöne Geschichte: Eines Tages beim Wandern auf dem Camino dachte sich der Franzose, dass er mal Blumensträuße macht. Einfach so. Als Verschönerung des Weges und Geschenk für andere Pilger. Also band er beim Wandern kl. Blumensträuße zusammen und legte sie auf den Weg. Dabei wurde er unbemerkt von einem Einheimischen gesehen. Als er später sein Zieldorf erreichte, was das Heimatdorf des Einheimischen war, in der Herberge eingecheckt hatte und so durch das Dorf lief, begegnete ihm der Einheimische. Der Einheimische sagte zu ihm: „Ahh du bist der Pilger, der die Blumensträuße gemacht hat, du musst ein guter Mensch sein! Komm!“. Und er lud den Franzosen zu sich nach Hause ein. Er stellte ihm seine Frau und Sohn vor und lud ihn zu einem richtigen Festmahl ein. Er suchte den besten Wein für ihn aus und fuhr eine riesige Tafel auf. Es wurde ein richtig netter Abend.

Als der Franzose, völlig überwältig von der Gastfreundlichkeit, wieder in der Herberge war, tauchte der Einheimische auf und gab ihm ein Geschenk. Ein einfaches kleines Pferd aus Stroh geflochten. Nichts Spezielles, aber für den Franzosen jetzt etwas ganz Besonderes. Er sagte mir dieses Pferd gehört jetzt zu den wertvollsten Dingen, die er besitzt. Der Franzose war den Tränen schon nah, denn er wusste ja gar nicht wie ihm geschah. Er hatte doch nur Blumensträuße gemacht. Das Faszinierende an der Geschichte: Der Franzose kann KEIN Spanisch, der Einheimische kann NUR Spanisch, aber trotzdem, so sagt der Franzose, hat er jedes Wort verstanden.

Ich fand die Geschichte wirklich schön, vor allem weil der Franzose die Begegnung mit dem Einheimischen mit Gott in Verbinung brachte. Danach sagte er mir noch, dass Gott uns immer dann begegnet, wenn wir Freundlichkeit und Liebe erfahren und geben und nett zueinander sind. Wow! Und dass ich Gott da finden werde. Ich sagte ihm, dass ich Gott schon genau da gefunden hatte, denn das Gleiche hat ja auch schon Francois gesagt. Echt super solche Geschichten!
Unser Essen war auch super und nach dem gemeinsamen Essen und Abwaschen gings dann ins Bett.

Tag 29: 10.August 2016

Hello it’s me!

Heute ca. 25 km gelatscht. Mein Beinschmerz war ab Kilometer 22 eigentlich nicht mehr auszuhalten, aber ich habs trotzdem geschafft :) Es laufen jetzt richtige Menschenmassen auf den Wegen und die Herbergen werden immer voller. Zum Glück hab ich noch nen Platz gekriegt. War schon bei 3, die alle schon voll waren, obwohl ich eine der ersten war. Vielleicht muss ich morgen mal reservieren. Heute war es unglaublich windig und dadurch zum Teil eiskalt! Unfassbar! Beim Laufen habe ich Antonio aus Los Angeles kennengelernt und wir sind ne ganze Zeit zusammen gelaufen.

Hier im Ort angekommen gings erstmal in die kleine Kirche. Wirklich KLEIN. Dort konnte man sich Sprüche in seiner Sprache mitnehmen und ich habe den perfekten Spruch gefunden, der zu all dem passt, was ich hier über Gott erfahren habe und vor allem wo ich ihn gefunden habe: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1.Brief des Johannes, 4, 16).
Morgen wirds nochmal recht anstrengend.

Also jetzt schlafen. Nacht!

Tag 30: 11.August 2016

Hello it’s me!

Bin heute weiter als geplant gelaufen. Insgesamt 30,1 km. Dann muss ich morgen ein bisschen weniger laufen. Ich bin übermorgen schon in Santiago! Und mit mir gefühlte 1000 andere Pilger. Es ist so voll. Heute morgen war es wieder ziemlich windig, aber die Sonne kam dann irgendwann. Als ich meine Hose gewechselt habe, war das in irgendeiner abgegammelten Bushaltestelle mitten im Wald (keine Ahnung warum da eine Haltestelle ist…). Naja auf jeden Fall waren die Plastikwände dieser Bushaltestelle komplett von Pilgern vollgekritzelt und angemalt. Als ich gerade meine Schuhe wieder anzog, fiel mein Blick auf 4 Wörter. Da stand: „Love is the answer“ . Auf welche Frage, das stand da nicht. Aber ich wusste es auch so. Auf meine Frage: Wer ist Gott?

Ich bin mir ganz sicher, dass das gewollt war, dass ich genau bei dieser Haltestelle meine Hose wechsel und dass ich genau diesen Schriftzug sehe. Bei dem Gedanken tun meine Füße gerade auch nur noch halb so doll weh :)

Nachti

Tag 31: 12.August 2016

Hello it’s me!

Heute 19,6 km gewandert. Wie gestern angekündigt also ein bisschen weniger. Bin auch ganz gemütlich gelaufen, weil die meisten Herbergen laut Reiseplaner erst um 12:00 oder 13:00 Uhr aufmachen. Und bin ganz früh gestartet. Nach einer sehr angenehmen Nacht ging es heute schon um 5:30 Uh aus dem Bett. Um 6:00 Uhr war ich schon in einer sogenannten „Churreria“. Dort werden Churros hergestellt. Soo lecker.

Zusammen mit einem Orangensaft war das dann heute also mein Frühstück. Dann gings los mit dem Laufen. Das war ganz angenehm heute. Hier angekommen hatten die meisten Herbergen noch zu. Eine, in der ich jetzt auch drin bin, war schon offen und ich bin absolut begeistert. Eine der besten Herbergen auf dem ganzen Weg. Total sauber, nette Leute, alles ganz locker, gute Betten (man durfte sich seins aussuchen), 2 Etagen, Terasse und die Dusche ist ein Traum! Beste Dusche bis jetzt! Und in diesem Bett kann ich heute bestimmt gut schlafen…und morgen dann ein letztes Mal wandern. Und dann habe ich es echt geschafft.

Wow! Gute Nacht!

Tag 32: 13.August 2016

Hello it’s me!

AHHHH! Ich bin daaaaa!

Humpelnd und überglücklich habe ich heute morgen gegen 11 Uhr tatsächlich mein Ziel erreicht. Nach 800 km bin ich in Santiago angekommen! BÄÄÄMS!

Ich bin am 13. Juli gestartet und am 13. August angekommen. Genau 1 Monat war ich jetzt wandern. Genauer gesagt 32 Tage. Die Zeit ging sooo schnell vorbei jetzt. WOW. Das Laufen heute ging ganz gut. Bis zur Stelle als es noch genau 7 km nach Santiago waren. Da war komplett der Beinschmerz wieder da. Und der blieb auch bis Santiago (deshalb das „humpelnd“). Aber jetzt gehts schon wieder :)

Als ich die Kathedrale sah , da wusste ich auf jeden Fall, dass ich am Ziel war. Juhu! Natürlich war ich nicht alleine…gefühlte tausend andere Menschen standen auf dem Kathedralsvorplatz. Richtig voll! Und das in der ganzen Innenstadt! Dann war ich erstmal was essen. Sorge wegen einem Bett hatte ich nicht, weil ich dachte: Hier wirds ja wohl genug Herbergen geben. Das war ein kleiner Fehler. Letztendlich glaub ich hab ich das letzte Bett überhaupt bekommen :) Das letzte in meiner Herberge war es auf jeden Fall :) In der Herberge nur noch schnell geduscht und dann wieder in die Innenstadt! Hier könnte man fast tagelang rum laufen, glaub ich :) Im Pilgerbüro habe ich mir dann die Urkunden abgeholt und war natürlich in der Kathedrale. Von innen auf jeden Fall schöner als von außen. Dann musste man sich nochmal anstellen um das Grab des Apostels Jakobus zu betrachten. Hab ich gemacht und durfte sogar der Santiago-Figur hinter dem Hauptaltar die Arme von hinten über die Schultern legen. Dann ging es eine Treppe runter zum echten Grab des Jakobus. Das war dann das WIRKLICHE Ziel des Jakobswegs. Im Touristenbüro hab ich mich dann erkundigt, wie ich irgendwann evt. wieder nach Köln kommen konnte :)

Mal sehen, wird schon klappen. Erstmal gehts nach Fisterra den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang angucken. Und natürlich in eine Pilgermesse. Mein „Reisetagebuch“ endet aber hier.

Also ADIOS!

Hat dir der Pilgerbericht gefallen? Dann hinterlasse doch hier unten als kleines Dankeschön an die Autorin einen netten Kommentar.

  • Robert

    Liebe Johanna,

    Dein Bericht ist wunderbar erfrischend. Danke dafür. Ich konnte alles gut nachvollziehen. ( Ich bin bisher in 2016 den Camino Frances in 33 Tagen und in diesem Jahr den Camino del Norte 900KM gelaufen. Auch wenn ich bis ich mich Sem Küstenweg beschäftigt habe meinte es sei einfach und fast flach, es stimmt, den Camino del Norte ist schwieriger und zwischen Irun und Bilbao sehr gebirgig. War inkl. 3 Abstecher mit Bus und nachher den Fussweg wieder fortgesetzt – Vitorio-Gasteiz, St. Toribio, Oviedo- 41 Tage gehend/wandernd/pilgernd unterwegs.)

    • Sandra Euri

      Liebe Johanna, vielen Dank für Deinen Bericht – hat Spass gemacht und viele Erinnerungen geweckt. Wie du sagst – Gott (oder die Verbindung zum großen Ganzen) finden wir dort wo wir Nächstenliebe erfahren, wo wir anderen helfen und selbst Hilfe erfahren, Letztlich geht es um die Verbindung mit anderen und mit uns selbst… der Jakobsweg ist für mich der Weg der kleinen und großen Wunder… und es gibt in überall. Alles Gute, Sandra

  • Rainer Frische

    Liebe Johanna,

    vielen Dank für den erfrischenden Bericht. Ich konnte vieles so gut nachempfinden.
    Ich bin 2016 den Camino del Norte gegangen und diesen Sommer den Camino Portugues.
    An den Camino Frances habe ich mich noch nicht herangetraut.
    Dein Bericht weckt aber mein Interesse und nimmt mir etwas die Scheu vor diesem Weg.

    Ultreja!

  • Thomas

    Toller Bericht Johanna! Hab ihn mit Spannung und Freude gelesen. Bin noch nie einen Jakobsweg gelaufen, hab ich mir aber zum Ziel für die kommenden 2-3 Jahre gesetzt (Urlaubsplanung wegen Arbeit, Schule…) ;)
    Deine Geschichte hat meinen Tag aber auf alle Fälle besser gemacht – DANKE dafür!! :)

    Liebe Grüße aus Österreich

    Thomas

    PS: Bitte nicht glauben, dass alle Österreicher/Österreicherinnen so sind wie Verena… :D

  • Josef Goller

    befor ich als Rentner zu Hause vor Langeweile dahindöse hab ich mir gedacht obwohl ich schon 70 auf dem Buggel habe warum nicht mal den Jakobsweg gehen.Ich hab mich dann zur gleichen Zeit wie Du unterwegs warst rein in den Flieger und den Camino Frances bis nach Finsterre gegangen .Dein Bericht spricht mir aus der Seele ,und auf alle Fälle bin ich als anderer Mensch zurückgekommen,zufriedener,ausgeglichen,und Gott näher gekommen.

    liebe Grüße aus Obertilliach Tirol

  • Karl Köck

    Liebe Johanna, eine berührende Geschichte mit vielen Gedanken und wunderbaren Begegnungen die auf dem Weg einfach p a s s i e r e n . Sich einzulassen, zu vertrauen und zu glauben gibt Kraft! Kann vieles aus deinen Berichten nachempfinden, nachdem ich schon ca. 1500 km unterwegs (in Etappen über 5 Jahre) von zu Hause Richtung Santiago bin – hab ca. den halben Weg und freue mich jedes Mal mich wieder darauf ein Stück des Weges weiter zu gehen. Alles Gute und eine erfüllte Zeit!
    Ingrid aus der Steiermark (A)

  • Berit Gebelein

    ……ja, bin dieses Jahr im April auch den CdF gepilgert….möchte keinen der gelaufenen Kilometer missen war eine der schönsten Zeiten in meinem Leben 2019 möchte ich auf den CP

  • Markus Wiesmann

    Liebe Johanna, dein Bericht hat mir sehr gut gefallen! Er ist so authentisch und echt! Auch ich plane, diesen Weg zu gehen. Mehrmals habe ich mich beim Lesen gefragt, wie du dich abends immer wieder aufraffen konntest, soviel aufzuschreiben…? Gerne hätte ich noch sachliche Details und Tipps bzgl Kleidung, Unterkunft, Verpflegung und Kosten gelesen, aber die werde ich bestimmt noch wo anders finden. Vielen Dank für die vielen persönlichen Eindrücke und alles Gute für dein Leben! Liebe Grüße Markus

  • Mechthild Prause

    Liebe Johanna,
    es war so berührend, Deinen Bericht zu lesen! Mehr kann ich im Moment gar nicht dazu schreiben. Einfach DANKE für Deine offene Art, von Dir und Deinem Weg zu erzählen. Möge Gott Dich weiter begleiten im Leben.