Camino Inglés

 

Fakten:

  • Geheimtipp unter den Jakobswegen
  • Nur wenige Pilger wählen diesen Weg
  • 120 Kilometer Länge
  • Ideale Reisezeit: Frühjahr bis Herbst
  • Reisedauer: 1 Woche

Die bei weitem meisten Pilger laufen entlang des Camino Francés nach Santiago de Compostela. Nur die wenigsten wissen von den anderen schönen und noch unbekannten Jakobswegen. Einer davon ist der Camino Inglés.

Camino Inglés, also „englischer Weg“, heißt dieser Jakobsweg, da viele Menschen – darunter viele Engländer – im Mittelalter über den Seeweg nach Nordspanien gelangt sind. Dadurch verkürzte sich die Reisezeit für die Pilger von mehreren Monaten auf nur wenige Wochen.

Der Camino Inglés liegt in der nördwestlichsten Ecke Nordspaniens und ist gerade einmal 120 Kilometer lang. Das bedeutet, dass dieser Jakobsweg in nur einer Woche selbst für gemütliche Pilger komplett zu absolvieren ist.

Neben Ferol gibt es noch einen zweiten möglichen Startpunkt für den Camino Inglés: A Coruna. Von hier aus sind es sogar nur 75 Kilometer Distanz.

Damit ist der Camino Inglés für einen Jakobsweg sehr kurz. Selbst der schon relativ kurze Caminho Portugues ist mit 240 Kilometern Länge doppelt so lang wie der Camino Inglés. Man vermutet, dass die Kürze des Weges ein Grund dafür ist, dass der Camino Inglés so wenig begangen ist.

Im Jahre 2000 waren es sogar nur ganze 98 Pilger, die über diesen Jakobsweg die Kathedrale von Santiago de Compostela erreichten. Inzwischen sind es wesentlich mehr, doch im Vergleich zu den anderen Jakobswegen, ist der Camino Inglés immer noch sehr leer und wenig frequentiert.

Was den einen Pilger stören könnte, mag für einen anderen Pilger genau das richtige sein: Denn gerade für Pilger-Neulinge und Menschen mit wenig Zeit ist der Camino Inglés eine reizvolle Möglichkeit.

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Das Höhenprofil des Weges ist überschaubar und inzwischen gibt es auch ein genügend dichtes Herbergsnetz auf dem Weg. Etappen von mehr als 25 Kilometern pro Tag sind also nicht mehr notwendig, was diesen Weg für Einsteiger attraktiv macht.

Vor einigen Jahren noch waren Pilger ab und an gezwungen, auf eine Pilgerpension auszuweichen, als es noch nicht genügend Herbergen gab. Inzwischen gibt es auf dem Camino Ingls neben den Pensionen jedoch auch eine ausreichend hohe Zahl an Herbergen,  die speziell für Pilger geschaffen sind.

Auch die Wegbeschilderung, über die man früher öfter negatives hört, wurde stark verbessert, sodass der Weg im Allgemeinen nun als gut ausgeschildert gelten kann. Auch dies ist eine wichtige Voraussetzung für einen Jakobsweg, der Pilger anziehen möchte.

Doch nicht nur Einsteiger, auch erfahrene Pilger könnten Freude am Camino Inglés finden: Denn die geringe Zahl an Mitpilgern schafft einen Kontrast zu stark frequentierten Jakobswegen, wie dem Camino Francés. Nicht jeder teilt die Begeisterung über den Zuwachs an Pilgern auf den Wegen. Wer das stille Pilgern sucht, den mag es auf den Camino Inglés ziehen.

Offizieller Startpunkt für den Camino Inglés ist die Hafenstadt Ferol im Nordwesten Spaniens. Dementsprechend führt der Weg die ersten Tage auch noch an der Küste entlang und passiert Fischerdörfer und landschaftlich tolle Abschnitte entlang von Meeresbuchten.

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Später verlässt der Weg die Küste und verläuft durch das nicht minder schöne Naturpanorama Galiziens. Es geht ein wenig bergan und statt Meer hat der Pilger nun Wälder und Stille vor sich. Bei starkem Regen, was in Galizien keine Seltenheit ist, kann der Weg an der ein oder anderen Stelle schon einmal schwer passierbar sein. Durch die Küstennähe herrscht ein mildes Klima, was selbst im Sommer selten zu Temperaturen von weit über 25 Grad führt.

Theoretisch ist der Camino Inglés ganzjährig begehbar. Dennoch sind die Zeiten von Frühjahr bis Herbst zu empfehlen. Zwar kann es entlang des Weges das ganze Jahr über viel regnen. Dennoch ist die Zeit außerhalb des Winters geeigneter, da die Regenfälle sich dann nicht so nachhaltig auf die Wege auswirken. Matschige Passagen sind zwischen Frühjahr und Herbst also weit weniger zu erwarten, als in den kälteren Monaten.

Zwar verläuft der Camino Inglés – wie im übrigen viele der anderen Jakobswege auch – immer wieder mal längere Abschnitte über Asphaltstraßen. Doch handelt es sich dabei meist um einsame, kaum befahrene Asphaltabschnitte. Landstraßen und mehr befahrene Fernstraßen sind selten zu passieren.

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Was schon einmal zu leichten Orientierungschwierigkeiten führen kann, sind die Wegmarkierungen in den Städten. Durch die vielen Reize, Schilder und das Gewusel von Menschen ist es nicht immer leicht die Wegmarkierungen in den Städten sofort zu finden. Im Allgemeinen ist der Camino Inglés jedoch inzwischen gut ausgeschildert. Neben dem Pilgerführer eignet es sich auch, einen Sprachführer mitzuführen, um im Zweifel auch einmal die Einheimischen nach dem Weg fragen zu können.

Neben Ferol bietet sich auch A Coruna als Startpunkt für den Camino  Inglés an. Es ist jedoch zu bedenken, dass der Weg ab A Coruna sogar nur eine Gesamtlänge von 75 Kilometern aufweist. Damit würdest du als Pilger in Santiago keinen Anspruch auf die Pilgerurkunde haben, da hierfür mindestens 100 Kilometer Jakobsweg zu absolvieren sind. Falls dir dieser Urkunde von Bedeutung ist, solltest du den Weg also definitiv in Ferol beginnen.

Die Anreise erfolgt in beiden Fällen über den Flughafen von A Coruna. Gegebenenfalls kommt auch eine Anreise über Santiago de Compostela in Frage, falls die Flugkosten dort zu deinen Reisezeiten günstiger sind.

Als Reiseführer empfehlen wir den Outdoor-Führer Camino Inglés von Raimund Joos.

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