Camino Primitivo

 

Fakten:

  • Geheimtipp unter den Jakobswegen
  • 4 % aller Pilger wählen diesen Weg
  • 310 Kilometer Länge
  • Wegprofil: Schwer
  • Ideale Reisezeit: Frühjahr bis Herbst
  • Reisedauer: 2,5 – 3 Wochen

Der Camino Primitivo ist ein Exot unter den Jakobwegen. Wenn es einen Weg gibt, der für Ursprünglichkeit steht und nicht Gefahr läuft, kommerziell und überlaufen zu werden, dann ist es vermutlich dieser.

Denn dafür ist der Camino Primitivo viel zu anspruchsvoll und fordernd. Sein Wegprofil führt den Pilger hinauf auf einige hohe Berge und wieder hinunter, und das in einer hohen Regelmäßigkeit.

Er bietet fantastische Ausblicke inmitten der Wolken, die in den bestiegenen Bergen hängengeblieben sind. Doch um in diesen Genuss zu gelangen, wird der Pilger einiges an Energie und Schweiß aufwenden müssen. Das sollte man wissen, wenn man sich für diesen Jakobsweg entscheidet.

 

Mehr noch als auf dem nordspanischen Küstenweg (Camino del Norte), der für sein anspruchsvolles Wegprofil bekannt ist, hat es dieser Weg in sich: Es geht stetig bergan und bergab, über jeweils mehrere Hundert Höhenmeter pro Tag.

Aus diesem Grund ist der Camino Primitivo definitiv nicht für jeden zu empfehlen. Für bergaffine Pilger und Menschen mit einer guten Kondition ist er aber umso reizvoller: Denn hier kann man noch fernab der Menschenmassen pilgern und Ruhe, Stille und Zeit für sich genießen – und das inmitten eines überwältigenden Bergpanoramas.

Wer genug von den Pilgermassen auf dem Camino Francés hat oder eine sportliche Herausforderung sucht, Berge, Ruhe und Natur liebt, der mag ein Auge auf diesen besonderen Jakobsweg werfen.

Dafür, dass der Camino Primitivo sehr anspruchsvoll ist, ist er – zumindest für einen Jakobsweg – auch sehr kurz. Mit nur 310 Kilometern hat er weniger als ein Drittel der Länge des bekannten Camino Francés beispielsweise. Dennoch sollte man sich genügend Zeit freischaufeln für diesen Weg.

Denn durch das anspruchsvolle Tagesprogramm mit den steten und steilen Auf- und Abstiegen sind die Etappen von der Kilometeranzahl überschaubar. Ein Tagespensum von 30 Kilometern oder mehr, wie es auf dem Camino Francés durchaus möglich ist, ist auf dem Camino Primitivo nur schwer zu absolvieren. Und das muss es auch nicht, denn die Gesamtlänge von nur 310 Kilometern ermöglicht es einem, den Weg gut in drei Wochen Zeit zu absolvieren.

Der Camino Primitivo beginnt in Oviedo und endet in Santiago de Compostela, wo alle Jakobswege zusammenlaufen. Da Oviedo nicht allzu weit entfernt von Gijon liegt, ist der Weg leicht mit dem nordspanischen Küstenweg (Camino del Norte) kombinierbar. Einige Pilger gehen daher den Küstenweg bis Gijon und biegen dann von kurz vor Gijon über eine Verbindungsstrecke auf den Camino Primitivo ab. Die Verbindungsstrecke macht dabei ca. 1,5 bis 2 Pilgertage aus.

Natürlich lässt sich der Camino Primitivo aber auch direkt in der Stadt Oviedo am offiziellen Startpunkt beginnen, die auch per Flugzeug gut erreichbar ist. Von Oviedo läuft der Weg dann zunächst noch relativ flach, ab dem vierten Pilgertag dann aber zunehmend steil in Richtung Santiago de Compostela. Größere Städte passiert der Pilger dabei – abgesehen vom Startpunkt Oviedo sowie der später auf dem Weg liegenden Stadt Lugo – nicht, viel Natur umso mehr.

Mit wem würdest du jetzt gerne hier stehen und einen weiteren Tag auf dem Jakobsweg beginnen? Foto von @lauf_liebe

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Von der Jahreszeit her gesehen, ist der Camino Primitivo zwischen Frühjahr und Herbst prinzipiell durchgehend begehbar. Bewusst sein sollte sich der Pilger dabei aber der hohen Menge an Niederschlägen, die auf dem Camino Primitivo niederregnen kann. Durch die geografische Nähe zur Nordküste Spaniens kann selbst im Sommer immer wieder einmal einiges an Regen fallen. Natürlicher ist es im Sommer deutlich wärmer als im Frühjahr oder Herbst. Doch aufgrund der Küstennähe wird es auf dem Camino Primitivo selten wesentlich wärmer als 30 Grad.

Im Winter jedoch ist der Camino Primitivo zu meiden, da die Berge so mit Schnee bedeckt sein können, dass der Weg unbegehbar sein kann. Zwar geht die Sonne selbst in den kältesten Monaten des Jahres selten vor 17.30 Uhr unter, was ein langes Gehen ermöglichen würde. Doch das Problem sind die Schneefälle in den Bergen, weshalb sich der Pilger diesem Risiko gar nicht erst aussetzen sollte.

Wer den Camino Primitivo läuft, wird dort nicht die vom stark frequentierten Camino Francés bekannten Massenschlafsäle finden. Eher sind es kleinere Herbergen, die häufig gerade mal ein gutes Dutzend Betten bieten und eine überschaubare und familiäre Atmosphäre.

Wer also über eine hohe Fitness verfügt oder pilgererfahren ist, der mag sich an den Camino Primitivo heranwagen und könnte dort in der Natur, Stille und Ursprünglichkeit genau „seinen“ persönlichen Jakobsweg finden. Mit genügend Zeit für die Reise sind auch die vielen Höhenmeter gut machbar und es bleibt genug Zeit, die verdienten Ausblicke zu genießen und zu verschaufen.

Für den Camino Primitivo empfehlen wir den gleichnamigen Pilgerführer „Camino Primitivo“ von Raimund Joos im Outdoor-Verlag.

Camino Primitivo

Pilgerberichte Camino Primitivo

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