Der Ruf zum Jakobsweg-Abenteuer, Tipps gegen das Massenpilgern

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Wenn du diese Worte jetzt liest, dann hat dich vermutlich der „Ruf“ des Jakobswegs ereilt.

Glückwunsch!

Vielen von uns ist es schon so ergangen, und früher oder später, haben wir uns auf den Weg gemacht. Auf den Camino, das ist spanisch für „Weg“. Manche zögern vielleicht noch, trauen sich noch nicht, warten noch auf etwas. Doch entziehen kann sich dem Ruf zum Abenteuer eigentlich niemand – wenn es denn so ist, dass du dafür gemacht bist, diesen magischen, alten Pilgerweg nach Santiago de Compostela zu gehen. Dann ist es meist nur eine Frage der Zeit.

Und mach dich darauf gefasst: Wer einmal pilgern war, wird vermutlich wiederkommen. So ist zumindest meine Erfahrung und die von vielen Pilgern, mit denen ich seitdem gesprochen habe. Aber keine Sorge, es gibt schlimmere Süchte… :)

Wenn du deinen persönlichen Jakobsweg gehen und diese besondere Erfahrung machen möchtest, aber vielleicht Schiss vor dem Massenpilgern hast, kann ich dich verstehen – und beruhigen. Ja, der Jakobsweg ist zuweilen voll, aber wenn du ein paar Dinge beherzt, wirst du immer noch ruhige Pilgertage dort erleben können.

Denn: Es gibt nicht nur einen Jakobsweg. Rund 70 % aller Pilger wählen den bekanntesten aller Wege, den Camino Francés. Das ist der Weg, den auch Hape Kerkeling damals gegangen ist. Und von diesen 70 % kommen rund 40 % auch noch genau im Hochsommer in Santiago an. Es ballt sich dann also auf dem Camino Francés, besonders auf dem letzten Stück. Denn um die begehrte Pilgerurkunde zu erhalten, musst du zumindest die letzten 100 Km nach Santiago zurückgelegt haben. Hinzu kommt, dass viele Pilger nicht so viel Zeit haben und daher nur das letzte Stück des Jakobswegs wählen. Kein Wunder, dass es dort also sehr voll werden kann.

Ich selbst habe mich bei meiner ersten Pilgerreise 2014 vorher umgeschaut, was es noch für empfehlenswerte Jakobswege gibt. Und ich war überrascht – und du wirst es auch sein – was für tolle und noch viel weniger bekannte Wege es gibt. Drei Alternativen zum Camino Francés möchte ich dir hier vorstellen.

Für mein erste Reise habe ich mich dann für den Küstenweg in Nordspanien entscheiden. Eine gute Entscheidung im Nachhinein, denn dieser Weg ist einfach wunderschön! Und außer im Hochsommer ist es hier auch noch nicht so voll. Der Küstenweg wird auch Camino del Norte oder Camino de la Costa genannt. Er führt von Irun nahe der französischen Grenze über 850 Kilometer bis nach Santiago de Compostela. Dabei überwindet man einige Höhenmeter, passiert wunderschöne kleine Hafendörfer und pulsierende Städte wie Bilbao, Santander oder das beliebte San Sebastian. Die Küste hat man meist im Blickfeld zur rechten Seite. Einen Eindruck von diesem besonderen Jakobsweg zeige ich dir im Folgenden:

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Als zweiten Alternativvorschlag möchte ich den Camino Portugues nennen. Das ist der portugiesische Jakobsweg, der von Porto aus Richtung Norden läuft. Über ca. 240 Kilometer und über die Grenze nach Spanien führt dieser relativ kurze Jakobsweg ebenfalls nach Santiago de Compostela. Du kannst entweder der Route entlang der Küste folgen oder der Route durch das Landesinnere. Das Schöne am Camino Portugues ist, dass er relativ eben ist und daher auch von Pilger-Anfängern gut gemeistert werden kann. Zudem ist er in zwei Wochen begehbar und bietet tolle Einblicke in Land und Kultur der Portugiesen.

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Mein dritter Vorschlag ist der Camino Primitivo. Dies ist ein ganz besonderer Jakobsweg. Es ist nicht nur der ursprünglichste, sondern auch der körperlich anspruchsvollste. Zwar ist dieser Weg auch „nur“ rund 300 Kilometer lang, doch führt er dabei ständig steil bergauf und bergab. Nur für geübte Wanderer ist der Camino Primitivo daher zu empfehlen. Belohnt werden die Pilger mit wunderbaren Aussichten und viel Ruhe, denn nur wenige wählen diesen Weg. Startpunkt ist Oviedo, ebenfalls im Norden Spaniens.

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Ich selbst war bislang bereits auf dem Küstenweg und dem portugiesischen Weg unterwegs und kann beide nur empfehlen. Als Dank für das, was der Weg mir gegeben hat, wollte ich etwas zurückgeben und meine Begeisterung mit anderen teilen. Daraus entstanden ist mein Blog, wo ich meine Erfahrungen weitergebe. Falls dich das Abenteuer Jakobsweg ruft und du noch mehr Tipps zum ruhigen Pilgern suchst, schau mal hier nach. Dort gebe ich meine Strategien weiter, um das Massenpilgern zu umgehen. Meinen Blog erreichst du unter: www.jakobsweg-kuestenweg.com Und nun: Buen Camino, das ist der Pilgergruß und heißt: Guten Weg!

Mein eBook:

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  • Elisabeth Wofl

    Bin die Via Gebenensis bis Bourg-Argental marschiert. Auch wenn der Weg zur Rhone-Ebene ziemlich abflacht, war das große Erlebnis die Gastfreunschaft in den privaten Unterkünften (Accueils jacquaires).