Jakobsweg mit dem Hund

Jakobsweg mit Hund

Nachdem ich viel über den Jakobsweg im Fernsehen gesehen hatte und auch einiges gelesen, dachte ich mir, das möchte ich unbedingt einmal machen. Ich bewege mich gerne im Freien, schon allein durch die Existenz von unserem Hund Bobby, den ich natürlich ebenfalls auf den Camino mitnehmen wollte.

Mein Mann hatte nicht so recht Lust auf dieses Abenteuer und so machte ich mich allein an die Planung und recherchierte im Internet nach Erfahrungsberichten vom Jakobsweg mit Hund. Es war nicht sehr berauschend, was mich dort erwartete.

Übernachtungen mit Hund schwer zu finden

In jedem Forum wurde mir abgeraten, den Hund mitzunehmen da es sehr schwierig ist, Übernachtungen zu finden.

Spanien ist sehr eigen, was öffentliche Einrichtungen, Restaurants und öffentliche Verkehrsmittel betrifft, dort sind in den wenigsten Fällen Hunde erlaubt. Oder man solle den Weg alleine genießen oder zumindest ein Zelt mitnehmen zum Übernachten mit Hund.

Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch und deshalb dachte ich mir, das wird doch irgendwie möglich sein, das zu schaffen. Falls es nicht klappt, kann ich ja auch jederzeit abbrechen und heimkehren.

Je tiefer ich in die Planung einstieg, um so mehr hat sich mein Mann auch für den Camino interessiert. Irgendwann sagte er dann, er wolle mich begleiten, was ich natürlich ganz toll fand, gemeinsame Erlebnisse sind einfach viel schöner!

Ich kaufte neue Wanderschuhe und lief sie jeden Tag beim Gassigehen mit Bobby ein, für ihn bestellte ich auch einen Faltnapf, einen Rucksack und Hundeschuhe, falls auf dem etwas mit seinen Pfoten sein sollte.

Wir haben es einfach probiert

Dann war es endlich soweit, Anfang Mai 2010 fuhren wir von unserem Wohnort Nufringen aus mit der Bahn nach Stuttgart, über Paris nach Bordeaux und schließlich nach Bayonne. Nach einer Übernachtung fuhren wir dann mit dem Bus nach St.-Jean-Pied de Port, wo wir unsere erste Etappe starteten.

Jeder Tag war ausgefüllt mit vielen tollen Begegnungen, einer sehr beeindruckenden Landschaft und natürlich mit viel Bewegung. Bobby war auch mit Feuereifer dabei. Allerdings hatten wir sehr viele enorm matschige und nasse Wege, wodurch er sich unter seinem Hunde-Rucksack unter den Vorderbeinen nach ein paar Tagen wundgescheuert hatte.

Nun übernahm Rainer einige Tage den Rucksack von Bobby und seine Wunden verheilten sehr schnell.

Quartiersuche klappt doch

Mit der Quartiersuche war das am Anfang auch so eine Sache. Man hat jeden Tag eine gewisse Etappe vor sich, die man geht und der Zielort steht dann morgens schon fest.

Allerdings bekamen wir dann in vielen Ortschaften kein Quartier und mussten lange suchen, bis wir untergekommen sind.

Dann änderten wir unsere Strategie und riefen morgens schon an den geplanten Orten an, in denen wir die Nacht verbringen wollten und legten dann unsere Etappen so, wo wir am Ende des Tages übernachten konnten. Das half uns enorm, nicht jeden Tag noch viele Kilometer extra zu machen, denn irgendwann kommt man an seine Grenzen.

Es klappte auch jeden Tag recht gut, ich spreche mittlerweile gut spanisch, was auch von Vorteil war. Manchmal waren mehrere Anrufe nötig, oft klappte es aber auch schon beim ersten mal. Auch die Passanten auf der Straße waren sehr hilfsbereit, wenn wir mal etwas suchten oder uns in den Städten nicht gleich zurecht fanden.

Auf jeden Fall ging jeden Tag ein Türchen auf und wir konnten immer irgendwo übernachten.

Einmal schien es fast aussichtslos, wir saßen gerade in einer Bar in Villoval bei einem Pilgermenü und ich telefonierte sämtliche Möglichkeiten ab und bekomme nur Absagen. Am Ende durften wir bei der Besitzerin der Bar im Nachbarort privat schlafen, es war ein Erlebnis, das an Gastfreundschaft nicht mehr zu überbieten war. Ich denke, wenn man sich einfach auf das Abenteuer, nicht alles planen zu können, einlässt, wird man überrascht, was alles möglich ist.

Die Highlights auf dem Weg

Landschaftlich war es für uns, die wir schon oft in Spanien an der Küste Urlaub gemacht haben, absolut toll. Gerade die Region Galicien ist vergleichbar mit dem Allgäu. Sehr grün, viele Bauernhöfe, Felder die bewirtschaftet werden und Wiesen mit vielen Kühen. Das hat mir persönlich fast am besten gefallen. Auch die Abwechslung der Städte mit der Natur war sehr schön. Burgos und Leon mit ihren Kathedralen sind natürlich absolute Highlights, aber es gibt auch viele kleinere Ortschaften, die sehr reizvoll sind. Am besten muss man das einmal selbst erleben.

Was uns auf dem Weg auch bewusst wurde, das Leben eines Menschen passt in einen Rucksack…

Das Wichtigste ist einem: essen, trinken, schlafen, blasenfreie Füße und eine trockene Unterkunft. Alles andere hat man bei sich und lebt mit ein paar Dingen aus dem Rucksack und das 5 Wochen lang.

Die Tage bekommen einen ganz anderen Sinn als zu Hause, einfach das Elementare tritt in den Vordergrund. Auch die Zeit zu zweit nur mit unserem Hund war sehr schön.

Schwierigkeiten mit dem Hund

Natürlich gibt es auch kleinere Schwierigkeiten, wie schon erwähnt mit den Unterkünften, die man ohne Hund eben nicht hat. Da kann man in jeder Herberge übernachten ohne vorher genau zu wissen, wie weit man an jedem Tag geht.

Auch mit anderen Hunden gab es zwischendurch Reibereien, vor allem in den ländlichen Ortschaften.

Wir haben Bobby dann immer angeleint, einer von uns ging voraus, zwischen uns der Hund und einer von uns hinten. Wenn irgendwo ein fremder Hund ankam haben wir diese mit den Wanderstöcken abgewehrt und hatten meistens auch Erfolg.

Außerhalb der Ortschaften lief Bobby immer frei, was er auch sehr genossen hat.

Alle paar Tage haben wir ihm seine Pfoten mit etwas Hirschtal eingecremt, damit sie geschmeidig blieben. Sie trocknen mit der Zeit doch sehr aus, durch das viele Laufen.

Die Länge der Etappen

Im Durchschnitt sind wir jeden Tag 25 km gegangen, einmal mehr und auch weniger, einen Tag legten wir Pause ein. Die längste Etappe waren 40 Kilometer, das wurde uns aber erst abends so richtig bewusst. Das war ungefähr nach der 3. Woche, ich bekam dann noch die erste Blase am Fuß, obwohl ich ja schon gut eingelaufen war. Vielleicht war das einfach zu viel…auch eine Schienbeinentzündung plagte mich über längere Zeit, mit eincremen, Ibuprofen, einem Tag Pause und „auf die Zähne beißen“ habe ich das aber auch überstanden.

Unser Fazit

Der Camino war für uns ein absolutes super Erlebnis, vor allem auch, dass wir das mit Bobby gemacht haben und es im Endeffekt gut geklappt hat.

Ich habe jeden Tag einen Eintrag in mein Tagebuch gemacht, was wir erlebt hatten, wo wir geschlafen haben und was es uns gekostet hat (es ist natürlich teurer, als wenn man nur in Herbergen schläft).

Das Buch entsteht

Als wir dann zurück waren, habe ich eine Übernachtungsliste erstellt, die ich in verschiedenen Pilgerforen angeboten habe. Die Nachfrage nach dem Camino mit Hund wird immer größer und die Leute sind froh, etwas Greifbares zu haben.

Dann musste ich auch immer viele Fragen beantworten, wie das mit dem Hund so läuft unterwegs, mit Futter, Pfoten etc., deshalb hatte ich die Idee, das aufzuschreiben, wie eine Geschichte, nicht als Reiseführer, sondern als persönliches Erlebnis.

Daraus ist dann das Buch „Auf vier Pfoten nach Santiago“ entstanden.

Die schönsten Orte

Pamplona, Burgos, Leon und Santiago sind alles sehr schöne Städte.
Logrono, die Haupstadt des Rioja, hat uns sehr gut gefallen, sie bietet viele schöne Tapasbars, die als die besten Spaniens gelten. Unbedingt Übernachtung einplanen!

Weitere schöne Orte

Villava, Sahagun, El Acebo, Sarria

Empfehlenswerte Übernachtungen mit Hund:

  • Hornillos , eine umgebaute Mühle, etwas Abseits des Camino aber traumhaft schön!!
  • Österreichische Herberge in Los Arcos, Herberge in Ventosa, Casa rural nähe Tosantos/Belorado.
  • Casa rural „Molino Galochas“ in der Nähe von Villar de Mazarife, umgebaute Mühle
  • Foncebadon Herberge
  • Schwäbische Herberge „La Faba“
  • Herberge „Paloma y Lena“ in San Mamede
  • Herberge in Mercadoiro

 

Meine Tipps

Hier noch ein paar Tipps, die man als Hundepilger evtl. gut gebrauchen kann:
  1. Am besten solltest du vorab in den jeweiligen Herbergen bzw. Pensionen/Hotels anrufen und klären, ob der Vierbeiner erlaubt ist. Ein paar Spanischkenntnisse sind dabei von Vorteil. Die Übernachtung kommt etwas teurer, da in vielen Herbergen Hunde verboten sind.
  2. Dein Hund sollte fremde Menschen gewöhnt sein. Es gibt Herbergen, in denen er eine Nacht lang ohne Herrchen oder Frauchen auskommen können muss, falls er nur im Flur oder im Innenhof schlafen darf. Lass dann ein T-Shirt oder einen Schuh von dir bei deinem Hund, damit er weiß, dass du noch da bist.
  3. Ab und zu morgens vor dem Losgehen die Pfoten mit etwas Hirschtalg oder Olivenöl eincremen, damit diese nicht austrocknen. Immer wieder die Ballen auf eventuelle kleine Verletzungen kontrollieren. Ein Microfaserhandtuch zum Trockenreiben/Reinigen des Hundes ist ebenfalls hilfreich.
  4. Vor der Reise evtl. auf Trockenfutter umstellen, das spart kostbare Pfunde im Rucksack. Auch vorher das Gehen mit Rucksack einige Male trainieren. Kaufe einen Faltnapf, dieser ist sehr praktisch, er lässt sich ganz klein zusammenlegen.
  5. Plane genügend Pausen ein, sodass sich dein Hund ausruhen kann. Achte auf die Anzeichen, wenn der Hund müde ist, damit du ihn nicht überforderst.

 

Das Buch

Das Buch ist ein persönlicher Erfahrungsbericht über unseren Jakobsweg mit Hund. Deshalb soll es nicht als Reiseführer verstanden werden. Es soll denjenigen Mut machen, die entgegen vieler Meinungen, den Hund zu Hause zu lassen, das Wagnis einzugehen und den Camino mit ihrem Vierbeiner zu gehen. Diese spezielle Herausforderung ist ein absolut lohnenswertes Erlebnis.

Zur Autorin von dieser Seite und vom Buch

Geboren 1966, seit fast 30 Jahren verheiratet mit Rainer, wir haben 3 Söhne 28, 27, und 23 Jahre alt und sind seit fast einem Jahr auch Großeltern. Ich bin sehr lebenslustig und bewegungsfreudig, arbeite mittlerweile in einem Seniorenheim in der Verwaltung und gebe verschiedene Sportkurse. Ich bin sehr gerne mit Menschen zusammen, liebe Tiere, bin weltoffen, spontan und unkompliziert, aber auch schwäbisch-bodenständig und reise gerne. Mein Motto ist: für alles gibt es eine Lösung!

Du kannst das Buch „Auf vier Pfoten nach Santiago“ hier für 12,50 Euro kaufen.


Erfahrungen von anderen Pilgern mit Hunden

Olaf schreibt dazu auf Facebook:

Ich bin den camino 2013 in Jena gestartet und habe meinen Hund nach 550 km in Speyer von meiner Tochter abholen lassen und bin dann solo weiter gelaufen. Der Grund war: der Hund war total platt. Er ist am Tag für mich gelaufen, und in der Nacht hat er über mich gewacht. Rasse: Australien Sheppard, Rüde, 8 Jahre.

Wenn man die 830 km Spanien läuft, sollte man bedenken, dass Hunde in keiner Herberge erwünscht sind. Es war gruselig zu sehen, dass Hunde über Nacht vor der Herberge angeleint waren und berechtigterweise einen Nachtgesang abhielten. Wenn man hingegen mit seinem Hund nur draussen campt, dann hat man bis auf paar Streuner keine Problem.


Mic Roba schreibt dazu auf Facebook:

Wir haben es auch gemacht. Wir sind im Jahr 2010 ca. 240km gepilgert mit unserem Hund Bobby, einem Podenco-Mix, 12 Jahre alt.

Wir kamen  nur in zwei Herbergen unter, den Rest der Zeit haben wir im Zelt geschlafen.

In Restaurants darf der Hund auch nicht, egal was für Wetter ist. Die Pfoten leiden unter dem rauen Boden. Nach 8 Tagen waren wir am Ziel, sonst hätte Bobby eine Pause gebraucht. Die Hitze (im September) war teilweise auch grenzwertig für den Hund.

Wer dies auf sich nimmt, und wer dabei auf seinen Hund achtet, wird ein wunderschönes Erlebnis mit seinem Hund haben! Es war super toll, das Erlebnis nimmt uns keiner mehr (zumal Bobby nicht mehr da ist 😰) aber nochmal machen würde ich es nicht.


Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du eigene Erfahrungen mit einem Hund auf dem Jakobsweg gemacht? Dann schreibe sie doch bitte ganz unten auf dieser Seite in die Kommentare. Wir nehmen das dann gerne in den Artikel auf, damit er mit der Zeit immer besser wird. Danke!

Dein Team von jakobsweg.de