Die 10 Gebote vom Jakobsweg

1. Dein Weg beginnt, sobald du an ihn denkst

… also genau jetzt in diesem Augenblick und mit diesem Gedanken. Du hast dich also gerade auf den Weg begeben!

2. Gehe nur den nächsten Schritt

…denn mehr kannst du jetzt nicht tun. Auch die längste Reise beginnt mit ihm, und der übernächste Schritt kann erst danach erfolgen. Lauter kleine Schritte, und einzig der nächste davon ist gerade wichtig. Es ist also tatsächlich ganz einfach.

3. Lass deinen Schatten hinter dir

…denn du bist nicht dein Schatten. Auf dem Jakobsweg gehst du nach Westen. Morgens geht die Sonne hinter dir auf, und dein Schatten liegt vor dir. Bis zum Abend wirst du deinen Schatten also überholt und deine Vergangenheit gleichsam hinter dir gelassen haben. Hier kannst du jeden neuen Tag als eine neue Person beginnen. Tag für Tag wirst du mehr zu dem, der du im Grunde bist. Das ist eines der schönsten Geheimnisse vom Jakobsweg. Du lernst dich von deinem Schatten zu befreien.

4. Geh deinen eigenen Weg

…denn es gibt keinen anderen. Auf dem Jakobsweg lernst du dich nicht zu vergleichen, denn jeder Pilger hat hier seinen eigenen Rucksack auf (und seinen eigenen Schatten hinter sich zu lassen). Wir kennen den Rucksack der anderen nicht, und wir stecken nicht in ihren Schuhen. Und wir respektieren sie genau dafür, wie sie auch uns respektieren. Du kannst auf dem Jakobsweg daher ganz du selbst sein, denn hier gehst du deinen eigenen Weg.

5. Lerne zu vertrauen

…denn der Weg sorgt für dich. Die meisten Pilger planen ihren Weg, manche mehr, und andere noch mehr. Doch die Essenz des Weges wird zwei Dinge tun: dich überraschen, und dich tragen. Und beides lässt sich nicht planen. Öffne dich also für die Essenz vom Weg und lerne ihm zu vertrauen, und du wirst vom ihm beschenkt werden.

6. Wirf Ballast ab

…denn egal, wie gut du deinen Rucksack packst, du wirst unterwegs diesen Punkt erreichen, an dem du unnötigen Ballast erkennst und dich von ihm trennst. Wir nennen ihn den Jetzt-sende-ich-es-heim-Tag.
Doch jeder Pilger trägt zwei Rucksäcke, und im zweiten ist der seelische Ballast. Er wiegt schwerer, und er ist auch schwerer zu erkennen. Du darfst daraus alles loslassen, was du nicht mehr (er)tragen kannst. Feiere unterwegs deinen Jetzt-lasse-ich-es-los-Tag, und gehe fortan weiter mit mehr Leichtigkeit!

7. Geh und fühle

…denn der Weg führt dich nach Santiago, und er führt dich auch zu dir selbst. Also tiefer in dich hinein, also du es bislang kanntest. Vieles war weit weg, doch nun bist du auf dem weiten Weg. Du wirst dein Gespür erfühlen und deine Gefühle spüren, die du vergessen hattest. Also mach auf und lasse zu. Erlaube dir zu lachen, zu weinen, zu trauern, erlaube dir zu lieben und dich zu lieben. Entdecke dich neu. Fühle dich so, wie du bist. Leg deinen Mantel ab und spüre darunter, Tag für Tag eine neue Schicht.

8. Geh alleine

…denn nur so dann kannst du erleben, dass du nicht einsam bist.

9. Erwarte Wunder

…denn der Weg reibt an deiner Seele, an deinem Glauben, an deiner Vergangenheit und an deiner Zukunft, und vor allem an deinem Körper. Der Rucksack wird an deinen Schultern reiben, die Schuhe an deinen Füßen.
Also wirst du Wunden bekommen, und sie werden wieder heilen. Lass dich davon nicht ablenken, und schaue tiefer. Dann wirst du dich wundern darüber, dass die Wunden entstehen und vergehen, doch die Wunder passieren und bleiben. Und beides wird dich heilen, wenn aus Wunden Wunder werden.

10. Dein Weg endet nie

… denn der Jakobsweg wird dich zwar bis nach Santiago tragen, doch da ist der Weg noch nicht zu Ende. Viele Pilger sagen, erst dort beginne der eigentliche Weg. Nämlich der Weg, den du fortan in dir tragen wirst. Denn der Jakobsweg wird dich verändern. Er wird dich näher zu dir bringen, dich mehr zu dem machen, der du eigentlich bist. Er wird dich, wie viele Pilger sagen, auf deine Werkseinstellungen zurücksetzen.