Camino Frances vom 19.01. – 16.02.2014

Dieser Bericht ist weder reich bebildert noch besonders strukturiert, aber vielleicht hilft er jemandem, der den Camino im Winter machen will.

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(Bild: Passhöhe bei O Cebreiro)

Der Camino Frances im Winter – warum? Es ergab sich einfach die Gelegenheit. Zu einer anderen Jahreszeit würde ich nie gehen, da ist mir der Rummel zu gross. Natürlich muss zur Gelegenheit noch die Motivation kommen, aber dazu schweige ich hier. Jedenfalls habe ich mehr die Ruhe und Einsamkeit gesucht, als die vom Outdoor-Reiseführer viel zitierte „Pilgeratmosphäre“.

Mit mir sind am gleichen (Sonn-)Tag noch 5 weitere Pilger in Saint-Jean-Pied-de-Port gestartet. Unter der Woche sind es wohl weniger, denn als ich etwas schneller als nach dem im Acceuil des Pelerins erhaltenen Etappenplan ging wurde es einsam.

Das Wetter bzw. die daraus resultierenden Belastungen sind im Winter natürlich anders. Kälte war kaum ein Problem, solange man sich bewegte, die langen Unterhosen sind vor allem in kalten Herbergen wichtig… Manchmal hätten Handschuhe nicht geschadet, es ging aber auch so. Eine warme Mütze (bis über die Ohren) ist zwingend. Leider kann man (ausser in den selten beheizten Bars) kaum länger als ein paar Minuten Pause machen, da man schnell auskühlt. Meist pfeift der Wind, selten findet sich ein geschütztes sonniges Plätzchen. Die Temperaturen lagen so von 0 bis 10 Grad, am Morgen konnte es auch mal Frost haben. Die Wege können vom ständigem Frieren / Tauen und vom Regen teils recht tief sein, dies betrifft aber nicht die klassischen Schotterpisten und Pilgerautobahnen. Die Überquerungen der Pässe waren allerdings wegen Schnee nicht ganz ohne, siehe unten bei den Tagesnotizen.

Vieles ist geschlossen im Winter: Herbergen, Pensionen, Bars…. auch wenn es heisst „ganzjährig geöffnet“…. das erfordert eine gewisse Planung, siehe auch die Hinweise unten.

Geholfen haben mir dabei der Outdoor-Reiseführer (einige Seitenhiebe darauf nachfolgend) und vor allem die Webseite der Pilgerfreunde Paderborn, da sich dort auch detaillierte Informationen zu Pensionen finden. Das ging natürlich nur mit Smartphone. In den Bars und Pensionen war fast immer gratis WLAN verfügbar, ab und zu auch in Herbergen.

Mit Schnee zu kämpfen hatte ich am 20.1. in dem Pyrenäen, am 3.2. auf der Meseta, am 7.2. über das Cruz de Ferro, am 10.2. beim beginnenden Anstieg in die Berge und am 11.2. in den Bergen. Der Schneesturm am Cruz erforderte die Überquerung auf der nicht geräumten Strasse – eine harte Etappe. Noch härter beim Anstieg nach O Cebreiro, 6 km im Schnee mit meterhohen Schneeverwehungen auf Camino und Strasse.

Hier im Detail meine Ausrüstung:

Neu gekauft:

  • 2 leichte Wanderhosen Schöffel.
  • 1 lange Unterhose Odlo – hat sich unter den Wanderhosen mit der Zeit aufgelöst, beim Ausziehen hat es immer schwarze Flocken „geschneit“.
  • 1 Wanderjacke McKinley Aquamax – für 2 Stunden regendicht – mit heraustrennbarem Fleece. Zum Gehen hatte ich meist nur das Fleece an, ausser bei sehr starkem Wind oder auf abschüssigen Etappen, auf denen man nicht auf Betriebstemperatur kommt.
  • „Funktionsunterwäsche“: 3 Boxer Shorts und 3 T-Shirts von Tchibo – gut investiertes Geld.
  • 2 Paar Wandersocken Falke.
  • 1 leichter Baumwoll-Schlafsack für Herbergen.
  • 1 Outdoor Handtuch Moorhead, saugfähig und schnell wieder trocken – super Sache.
  • 1 Pelerine Moorhead für 5€, die genau eine Etappe (die 2.) durchhält, danach eine für 30€ Kohla Tirolean, die mehrere Einsätze bis Santiago mitmacht.

Dazu noch:

  • Meine altgedienten, neu besohlten Lowa Trekking Lederstiefel auf ihrem letzten Gang.
  • 1 Paar normale Socken.
  • 1 leichter langärmliger Pulli.
  • 1 Wollmütze.
  • 1 Basecap.
  • 1 Alu-Wasserflasche.
  • Diverse Körperpflegeartikel.
  • Diverse Apothekenartikel (Pflaster, Desinfektionsspray,…).
  • Schweizer Messer.

Nachfolgend mehr stichwortartige Notizen zu den Tagesetappen. Preise im EZ oder DZ (gelegentliches Teilen eines Zimmers mit einem anderen Pilger).

18.1. Saint Jean

Anreise mit TGV und Regionalzug.

Sehr herzlicher Empfang noch gegen 8 Uhr abends im Acceuil des Pelerins.

Städtische Herberge sauber, warm, geräumig, angenehme Gastgeber. Wenn alle Herbergen so gewesen wären…

Die anderen Freaks stehen am nächsten Morgen um 6 auf! Da bringt es nichts, länger liegen zu bleiben. Es ist noch stockdunkel, als ich als letzter die Herberge verlasse, etwas mühsam, dann den Weg zu finden. Hier in Frankreich hat es noch nicht den leuchtend gelben Pfeil als Markierung.

19.1. Roncevalles

Pension Casa Maria für 30€ (EZ). Gutes Essen, Tagesmenu mittags mit 17€ deutlich besser (und teurer) als Pilgermenu für 10€ abends.

In der Nacht hat es geschneit! Daher am nächsten Tag durch den Schnee stapfen.

20.1. Zubiri

Pension Usoa €21 (EZ), Waschen gratis. Für das Geld der Hammer.

Menu für 10€ in der Bar bei der Sporthalle an der Hauptstrasse (Bar Cafeteria Polideportivo) war mittags und abends annehmbar.

21.1. Cizur Menor

Übler Weg auf Betonpisten durch Pamplona.

Örtliche Albergue katastrophal eng. Ein Raum wird mit 8 Pilgern voll gepackt, die anderen Räume bleiben leer. Hält mich für Tage von Herbergen fern.

Sehr bescheidenes Menu für 10€ im Asador Tremendo.

Merke: Grosse Schnarchsäle haben zumindest im Winter den Vorteil, dass man sich etwas verteilen kann. Kleine Räume werden gnadenlos voll gepackt.

22.1. Estella

Bis hierher 40 km, weil unterwegs alles zu war. Etwas zu viel für die vierte Etappe, das sollte sich später noch rächen.

Hostal Cristina

€45 (DZ), Heizung nur temporär, daher ein kaltes Loch.

Merke: Generelles Problem bei Hostals: Die heizen erst wenn man kommt, das hilft bei der ausgekühlten Hütte oft nicht, oder erst nach Stunden.

Schräg vis-a-vis super Restaurant Astarriaga, kein Pilgermenu aber gutes Tagesmenu.

Merke: Pilgermenu ist oft unterirdisch, während ein etwas teureres Tagesmenu sehr lecker sein kann. Also nicht so geizig sein! Ausserdem schien die Qualität des ausgeschenkten Vino tinto von Ost nach West abzunehmen. Oder man kann den Fusel mit der Zeit einfach nicht mehr sehen.

23.1. Los Arcos

Pension Mavi

Gute Unterkunft für satte 45€ (DZ). Menu in der zugehörigen Bar für die üblichen 10€ eher bescheiden.

24.1. Viana

Einfache Pension für 25€ (DZ) mit Waschmaschine. Abendessen im Hotel Palacio de Pujadas sehr gut.

25.1. Navarette

Albergue El Cantaro

Doppelzimmer für 30€ (DZ), das uns auf Nachfrage nach eigenem Bad im eigentlich geschlossenen Gebäudeteil zugestanden wird. Bad ist zwar separat, aber wir sind allein.

Abendessen im Restaurant El Molino sehr gut: Dessert Käse mit Dulce de Membrillo.

Pilgerroutine kehrt ein: Frühstück (oft, nicht immer hat was auf…), Gehen, Einchecken, Duschen, Liegen, Abendessen, Schlafen.

26.1. Najera

Hostal Hispano €30 (EZ)

Pilgermenu gemäss Empfehlung Outdoor im Restaurant El Buen Yantar für 9€ war eines der besseren.

Abends in die Notaufnahme des Spitals. Ich muss keine 5 Minuten warten, dafür solls auch €138 kosten.

Diagnose: Tendinitis (Sehnenentzündung) im rechten Fuss. Dieser einfache Befund verschafft mir einen Rabatt, jetzt machts noch €50.

Therapie: Diclofenac einwerfen, mit Eis kühlen und kürzere Etappen gehen (haha…).

Plastikgeld oder Bares nimmt das Spital nicht, die Behandlungskosten muss ich bei einer Bank einzahlen, was sich als schwierig erweist. Nur die Hausbank Ibercaja nimmt mir die Kohle – als würde ich einen Kleinkredit beantragen – im Rahmen eines längeren Aufenthalts am Schalter ab.

27.1. Santo Domingo de la Calzada

Alberge Cofradia

Geräumig, Empfang hart aber herzlich. Macht um 9 Uhr zu, wie soll man da auswärts essen, wenn es erst ab halb 9 etwas gibt? Bleibt nur die Verpflegung aus dem Rucksack.

Immerhin rund um die Uhr geheizt.

Einsamkeit macht sich breit. Obwohl ich die gesucht habe, ist es manchmal zuviel. Und was soll man mit Koreanern schon gross reden? Die sind auf den Camino nämlich klar in der Mehrzahl. Beim Gehen ist es nie einsam, aber kaum hat man eingecheckt…

28.1. Belorado

Pension Toni für 28€ (EZ)

Ansonsten nichts los in dem Ort. Pilgermenu im Restaurant Bulevar bescheiden.

29.1. Ages

Alberge San Rafael

Extrem enger Schlafraum von der Grösse eines kleinen Doppelzimmers, aber mit 3 Etagenbetten, entgegen Darstellung im Outdoor. Nettes Personal und gutes Essen. Warm.

Merke: Heizung „vorhanden“ heisst nicht Heizung „an“, Heizung „an“ heisst nicht „es ist warm drinnen“. Hier hat’s mal gepasst.

Heute klärt sich ein Rätsel auf: Die letzten Tage kam mir immer das gleiche spanische Paar entgegen, das wurde schon zum Running Gag. Heute sind sie zu viert in Ages. Die fahren mit dem Auto zu viert zum nächsten Etappenziel, zwei steigen aus, die anderen beiden mit dem Auto zurück und gehen den Camino in der richtigen Richung. Die anderen beiden bringen dann am Abend das Auto wieder zum Ziel. So müssen sie kein Gepäck tragen, fahren aber die doppelte Strecke mit dem Auto. Freaks!

30.1. Rabe de las Calzadas

Nach Durchquerung von Burgos (ätzend…..). In Burgos sehe ich zum letzten Mal die sehr „entgegenkommenden“ Spanier. Die waren heute noch gar nicht losgelaufen, weil sie in der Stadt shoppen waren. Auf dem Camino gibt es Pilger und Touristen…..

Albergue Liberanos Domine

Warm, Essen eher einfach aber reichlich. Etwas irritierend, die Dame des Hauses immer im flippigen Morgenmantel zu sehen.

Anmerkung: Herberge in Hornillos del Camino hatte nicht mehr auf, obwohl sie das hätte sollen (Schliessung erst im Februar vorgesehen).

31.1. Itero de la Vega

Die (sehr lange) Etappe bis hier war das Beste bis jetzt. Nach dem Aufstieg hinter Castrojeruz sagenhafte Ausblicke. Ausserdem war das Wetter super. Ich konnte mich kaum bremsen.

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(Bild: Aussicht bei Castrojeruz)

Alberge Fitero

Kalt trotz Heizung (nur bis 8 Uhr!), der Schlafsaal ist tagsüber zum Lüften auf…. Essen sehr rustikal. Wenn der Wirt nicht wie versprochen um halb 8 das Tor aufmacht, muss man halt darüber klettern….

1.2. Carrion de las Calzadas

Nach zermürbendem Gegenwind und stetigem Bergauf geht es in die Albergue Espiritu Santo.

Der Hammer. Matratzen so durchgelegen, dass teils Spanplatten untergeschoben wurden. Die Pilgerromantik hört für mich da auf, wo der Bandscheibenschaden anfängt. 2€ Aufpreis für 3 Stunden Heizung, die in der zugigen Bude zum Fenster hinaus geht. Die ganze Nacht gefroren, trotz 5 Decken. 2 Schwestern kommen um halb 10 zum Zapfenstreich! Machen die Rollläden runter, „damit es nicht kalt wird….“ Haha! Das Allerletzte. Nieeeee wieder!

So ein Outdoor Tester sollte vielleicht mal in ein Bett liegen (und unter eine Dusche stehen, siehe unten), bevor er was über eine Unterkunft schreibt.

Die Non-Stop-18-Kilometer am nächsten Tag gehen erstaunlich schnell vorbei, eine Bar erbarmt sich unser und hat geöffnet, was wir selbstverständlich für eine Pause nutzen.

2.2. Moratinos

Hostal Moratinos

Edel, aber teuer. Zimmer mit 45€ (DZ) absolut OK, aber das Essen: Jede Kleinigkeit geht extra, sogar das Brot. Wein 10€! Wir lassen zu zweit 85€ da.

Wir waren ja froh darum, weil im Ort zuvor die Herberge „Jaques de Molay“ noch nicht auf hatte, obwohl das ab Februar so hätte sein sollen. Die hatten einfach keine Lust. Und ich habe keine Lust, jeden Tag voraus zu telefonieren ob auf ist. Es nimmt ja auch selten genug jemand ab.

Am Morgen hat es 5 cm Schnee! Cool.

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(Bild: Hostal Moratinos)

3.2. Calzadilla de los Hermanillos

Casa el Cura

Sensationell. Sehr schönes Haus und eines der besten Menus am Weg. Der nette und witzige Gastgeber macht nur für mich auf, weil ich im der Bar im Ort um eine Pension bettle. 35€ (EZ), 50€ für die HP. Jeden Euro wert.

4.2. Ascahueja

Albergue La Torre

Der hat eigentlich zu, macht aber netterweise für uns auf. Essen eher bescheiden, Frühstück schon am Vorabend bereit gestellt. Naja. Aber es war schön warm. Trotzdem nervt wieder mal dieses Herbergsgezicke: Schuhe draussen lassen (wie sollen die in der Kälte trocknen?), Rucksack nicht in den Schlafraum, ….

Zuvor in Puente de Villarente hatte man offenbar keine Lust, zu öffnen, obwohl es Februar war und damit auf sein sollte.

5.2. Villar de Mazarife

Im Eiltempo durch Leon, wer wandert schon gerne durch eine Stadt?

Albergue San Antonio de Padua

Sehr persönliche und aussergewöhnliche Betreuung durch Pilger-Veteran Carlos, der mir bei Ankunft ein Mittagessen spendiert. Aber saukalt trotz ein paar Stunden Heizung. Dusche nur lauwarm.

Merke: Man muss immer fragen, ob die Heizung jetzt gerade schon an ist. Sonst lieber weiter gehen. Oder den ganzen Abend mit Carlos vor dem Kaminfeuer sitzen. Bemerkenswert, mit welcher Leidenschaft er für das Wohl der Pilger besorgt ist (im Rahmen der technischen Möglichkeiten…). Die Dankesbezeugungen im Gästebuch rühren ihn schier zu Tränen. Leider habe ich viel zu wenig von dem verstanden, was er mir auf Spanisch erzählt hat.

Nach Leon wird der Camino voller. Hier scheinen viele Leute einzusteigen.

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(Bild: Hospital de Orbigo)

6.2. Astorga

Ankunft im Platzregen im Schokoladen- und Feinschmeckerstädtchen.

Alberge Municipal für 5€ OK. Warm. Aber ein Geschnarche …… Wieder mal die Schnauze voll von Herbergen.

Sehr gutes Menu für 10€ im Restaurant Aizkorri, mit das beste am Weg.

7.2. Rabanal del Camino

Hostal El Refugio für 35€ (EZ). Essen eher bescheiden. Heizung im ausgekühlten Zimmer braucht Anlaufzeit. Insgesamt eher zu teuer.

Mit heftigem Gegenwind über das Cruz de Ferro auf der zugeschneiten Strasse. Danach super Bocadillo mit Tortilla in La Posada del Peregrino (El Acebo) und ein Kaminfeuer! Aber nicht ganz billig.

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(Bild: Cruz de Ferro)

Die Strecke danach ist landschaftlich und vom Weg her sehr schön. Endlich mal keine Autobahn, sondern ein richtiger Wanderweg. Und schon muss der Outdoor – aus Furcht vor klagefreudigen fusskranken Flachlandtirolern? – so tun als sei der Abstieg die Hölle. Nein, es ist einfach mal ein alpiner Pfad, der richtig Spass macht.

8.2. Molinaseca

El Palacio. Super Zimmer für 35€ (EZ) in stilvollem Haus gleich an der alten Brücke. Sofort warm. Essen (normales Menu) nicht übel. Sehr guter Aufenthalt.

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(Bild: Molinaseca)

9.2. Cacabelos

Hotel Villa de Cacabelos, fast schon Mittelklasse für schlappe €36 (EZ) inkl. Frühstück (ganz untypisch in Spanien). Atmosphäre leider etwas nüchtern, trotzdem gute Wahl. Und endlich im Trockenen, nach kräftigem Regen…

Die Edelfressbude „Moncloa de San Lazaro“ ist die Erwähnung im Outdoor wirklich wert; Im Vergleich sauteuer aber sehr gute Küche. Am Sonntagabend hatte sonst auch nichts Gescheites auf…. Der Schuppen ist rammelvoll.

10.2. Ruitelan

Den ganzen Tag Schneeschauer.

In Vega de Valcarce hatte man wohl keine Lust, für einen einzelnen Pilger eine Pension zu öffnen. Auch in Herreira alles dicht – auch die „ganzjährigen“ Bars. Daher zurück nach Ruitelan in die Herberge der Buddhisten. Rustikal, aber freundlicher Empfang. Prima Essen! HP für 15€ – nichts zu meckern, solange man nur zu zweit im engen 6er Zimmer ist. Der andere ist ein Franzose, der von Zuhause aus – irgendwo in der Normandie – losgelaufen ist; Respekt.

11.2. O Cebreiro

Hotel O Cebreiro

Ziemlicher Rückschlag heute. Bin statt auf der Strasse auf dem Camino gegangen. Kam ab La Faba in tiefen Schnee. Mal bis zum Knöchel, dann bis zum Knie, immer wieder mal ein Taucher bis zur Hüfte in einer Schneeverwehung. Wollte schon umkehren, als ich im Nebel die Häuser von Laguna de Castilla sah. Dort traf ich in der Bar 3 Spanier. Dachte die hätten Ahnung und bin mit denen weiter („Der Schneepflug kommt gleich…..“), aber mit denen bin ich weiter auf dem Camino durch den tiefen Schnee gewatet („Das ist die Strasse, 100%!“). Natürlich kam kein Schneepflug. Nass und klamm und ohne Gefühl in den Zehen habe ich sofort das erste Zimmer genommen. 40€ (EZ) für laue Heizung – klar zu teuer. Auch das Essen nicht gerade umwerfend, aber annehmbar.

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(Bild: Bei O Cebreiro)

Nach Triacastela beginnt die schöne galicische Landschaft – erinnert mich sehr an England oder Irland. Der beste Teil des Caminos, auch vom Weg her. Das sind eher Wanderwege als Pilgerautobahnen. Allerdings sind diese gleichzeitig anscheinend auch Entwässerungswege, man läuft oft im Wasser oder muss riesige Lachen umgehen. Ab hier regnet es auch öfter und meine Schuhe werden nie mehr richtig trocken.

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(Bild: Bei San Xil)

12.2. Calvor

Nach 40 km Strecke freut man sich auch über eine öffentliche galicische Herberge, für 6€ nicht schlecht, aber leider keine Decken. Braucht’s auch nicht unbedingt, da ganze Nacht warm. Füsse ins Fleece und Jacke zum Zudecken reicht. Essen aus dem Rucksack, da es ringsrum nichts gibt.

Die fast ununterbrochen strickende Wirtin scheint zu dieser Jahreszeit nicht viele Gäste zu haben und hat darob scheints jedes Gefühl für Zeit und Raum verloren. Erst im dritten Anlauf gelingt es ihr, mir das korrekte Datum in den Pilgerausweis zu stempeln. Sie wähnte sich erst noch im Januar, und als wir den Monat geklärt hatten, konnten wir uns nur mit grösster Mühe auf den Tag einigen.

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(Bild: Irgendwo…)

Und hier mal ein Bild für alle, die sich nicht vorstellen können, wie heftig es auf dem Camino stürmen kann:

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13.2. Portomarin

Albergue / Pension Utreia, 25€ (EZ), separates Bad, die Wäsche macht die Dame des Hauses für 3€, was für ein Service! Heizung ab 7 bis früh morgens! Kann man aushalten! Bis auf die Gruppe von 4 Spaniern die der Meinung sind, der Rest der Welt müsse jederzeit hören, wo sie sich befänden.

Nach dem Abendessen im einzigen offenen Restaurant gehe ich gleichzeitig mit einer Koreanerin nach draussen. Die flüchtet regelrecht vor mir, obwohl ich nicht die geringsten Anstalten mache, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Vielleicht ist sie als alleinreisende Pilgerin schon oft genug angemacht worden. Ich habe mir sagen lassen, dass das nur zu oft vorkomme. Nicht alles ist gut auf dem Camino.

14.2. Palas del Rei

Satte 40€ (EZ) im La Cabana, 500m vor dem Ort und kurz nach den beiden Herbergen. Klar zu teuer, auch wenn die Dusche dann irgendwann halbwegs heiss wurde und der Heizlüfter sofort seinen Dienst aufnimmt (während die Spanier die Heizung sonst grundsätzlich erst nach der 2. oder 3. Reklamation anwerfen – oder erst ab 7 abends angeblich „automatico“). Immerhin inkl. üppigem Frühstück. Und der Pulpo gallego für 9€ im „wenig stimmungsvollen“ Restaurant (Outdoor) ist zarter als für 16€ im Edelschuppen von Cacabelos (s.o.).

Im nicht besonders ansprechenden Ort selbst habe ich halt keine Alternative gefunden. So gesehen scheine ich nicht die schlechteste Unterkunft gewählt zu haben. Den ganzen Nachmittag schüttet es wie aus Eimern, zum Glück habe ich schon eingecheckt.

15.2. Arzua

Pension Arcano kostet 24€ (EZ), was mir als Nebensaisonpreis genannt wird. Absolut OK, nur Stempel bekomme ich wegen angeblichen Besitzerwechsels keinen!? Den hole ich mir in der Paradillera Os Caqueiros nebenan. Dort werden für 9€ bisher ungeahnte Mengen aufgetischt.

Am Morgen um 5 wach, um 6 los, nach Verlassen von Arzua durch stockdunkle Waldwege bis es zögerlich heller wird. Den gelben Pfeil sieht man sonst problemlos in der Morgendämmerung leuchten, aber heute hat es Nebel in der Niederung am Bach, sodass ich nicht mal sehe, wo ich meinen Fuss hinsetze. Dann aber mit der Zeit prachtvolles Wetter und ich entschliesse mich, bis Santiago durchzulaufen.

16.2. Santiago

PR Mafer B&B für 27€ (EZ) inkl. Frühstück, 2 Nächte, da ich die beiden letzten Etappen zusammengelegt habe. Für das Geld OK und sehr nahe der Altstadt. Man hört etwas den Verkehr und die Bushaltestelle vor dem Haus.

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17.2. Santiago

Highlight der Besuch der Pilgermesse um 12 in der Kathedrale. Und ich hatte Glück: Trotz Nebensaison wird der „Botafumeiro“, ein riesiger Weihrauchkessel am elend langen Seil durch das Querschiff geschwenkt – coole Show!

Essen in der Outdoor Empfehlung Casa Paredes, nachdem 2 andere Tips zu hatten. 9€ für das Menu, preislich natürlich top, qualitativ in der Mitte der vertilgten Pilgermenus. Keine Heizung, saukalt, vielleicht deshalb keiner ausser uns drin. Ist auch abseits der Tourimeile.

18.2. Santiago

Mittagessen im Bierzo Enxebre (weiterer Outdoor Tip) ist besser als am Vorabend (11€), muss aber auch nicht sooo hoch gelobt werden. Eingelegte Kirschen zum Cafe solo (im Menu enthalten). Das Ambiente ist allerdings um Klassen besser.

Übernachtung im Parador für 155€ (DZ) inkl. Frühstück. Der Schuppen hat Stil, wirkt aber etwas abgewohnt. Man zahlt für den Namen und die Lage. Trotzdem kein schlechter Abschluss einer Pilgerreise. Frühstücksbuffet inkl. Sekt liess keine Wünsche offen.

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(Bild: Parador Hotel)

Abendessen im Maria Catana (Tip von Pension Mafer) war sehr gut, obwohl auf der Tourimeile. Halt ein bisschen teuer, aber man muss sich auch mal vom Pilgermenu lösen können.

19.2. Santiago

Letztes Essen im Cre Cotte (gleich hinter der Kathedrale bei den Treppen) für 11€ nicht schlecht, immerhin mit (kleiner Portion) Pulpo. Beim letzten Bummel durch die Gassen treffe ich den Franzosen nochmal. Wenn man sich 2, 3 Tage Zeit nimmt, dann sieht man zwangsläufig einige der Weggefährten wieder, die nach und nach auch eintreffen, so gross ist das Städtchen ja nicht.

Anschliessend Rückflug.

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  • Ja, danke für den Bericht. Diese Antiwerbung hilft mir, weiter bei den Warmduschern zu bleiben und Herbergen zu bevorzugen.
    Vielleicht haben wir aber auch sehr unterschiedliche Ansprüche.

    Gruß Gert

  • eterneladam

    Ich habe den „Gerd“ aus dem Text genommen. Der war einfach nur erfunden, aber es ist vielleicht besser, gar keinen Namen zu nennen. Ich habe auch nicht an die Ähnlichkeit zu „Gert“ gedacht und wollte sicher niemandem zu nahe treten.