Jakobsweg mit dem Fahrrad

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Kann man den Jakobsweg mit dem Fahrrad fahren? Ist der Jakobsweg eigentlich ein Radweg?

Der Jakobsweg ist vor allem erstmal der bekannteste Pilgerweg der Welt. Er endet an der Kathedrale in Santiago de Compostela, und über 200.000 Menschen kommen dort jedes Jahr an.

Die Frage, wo der Jakobsweg eigentlich beginnt, ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Die zwei häufigsten Antworten lauten „vor deiner Haustür“ und „an der französischen Grenze“.

Also ist der Jakobsweg irgendwie die Strecke von deinem Zuhause bis nach Santiago de Compostela, und sie führt wahrscheinlich durch Saint-Jean-Pied-de-Port und durch Pamplona – beides Orte an der französischen Grenze.

Du kannst mit dem Rad zuhause starten. Die Strecke ist von Berlin etwa 2.700 Kilometer lang, und von Freiburg knapp 2.000 Kilometer. Du wirst etwa 3-5 Wochen dafür brauchen mit dem Fahrrad.

Solltest du nach Pamplona fliegen und von dort aus losradeln, so bist du etwa 8 Tage später in Santiago und bist etwa 830 Kilometer weit geradelt. Das ist übrigens die klassische Art den Jakobsweg mit dem Rad zu fahren.

Der Radweg am Jakobsweg

Der Radweg am Jakobsweg, dargestellt auf Bikemap

Wenn du unterwegs in deinem Pilgerpass die Stempel der Unterkünfte sammelst, so kannst du dir Pilgerbüro in Santiago deine sogenannte Compostela ausstellen lassen, die Pilgerurkunde.

Die bekommt jeder Pilger, der mindestens 100 Kilometer zu Fuß oder aber 200 Kilometer per Rad auf dem Jakobsweg unterwegs gewesen ist.

Damit ist klar, dass auch Radfahrer als Pilger ernst genommen werden.

Fahrrad und Jakobsweg – das passt zusammen

Es kommt tatsächlich sogar recht häufig vor: Laut aktuellen Pilgerstatistiken absolvieren etwa 10% der Pilger den Camino de Santiago per Fahrrad. Also über 20.000 Radler pro Jahr.

Kurzum: Es ist ohne große Probleme möglich, den Jakobsweg mit dem Fahrrad zu machen.

Die Strecke durch Spanien verläuft also weitestgehend identisch und vor allem immer parallel zum Camino Francés, und sie heißt als Radweg übrigens auch Eurovelo 3.

Die Strecke der zu Fuß gehenden Pilger ist nicht komplett identisch mit dem Jakobsweg für Radfahrer. Denn manche Stellen sind einfach zu schwer passierbar mit dem Rad, und dort weicht der Radweg ab.

Auf dem Jakobsweg haben die klassischen Fußpilger einen gewissen Vorrang, und sie werden vor allem in den Herbergen auch vorrangig behandelt. Das heißt, dass die Betten in erster Linie für Fußpilger vorgesehen sind und im Zweifelsfall auch an diese verteilt werden. Es ist schließlich auch weitaus problematischer für den Fußpilger, einen Ort weiter zu gehen, als für den Radpilger, sollten einmal alle Betten belegt sein.

Darum nehmen viele Radpilger auch ein Zelt mit, schließlich macht das zusätzliche Gewicht vom Zelt fast nichts aus aus, wenn es mit dem Rad transportiert wird.

Dennoch berichten die meisten Radler, dass sie auf dem Jakobsweg fast immer ein Bett in den Herbergen gefunden haben.

Zu Fuß oder per Rad – das ist nicht dasselbe

Es gibt aber auch ein paar Unterschiede zwischen den Pilgern zu Fuß und den Pilgern auf dem Rad, die ich hier erwähnen möchte.

Wenn du zu Fuß die klassische Strecke gehst, so bist du 4-5 Wochen lang unterwegs. Das ist eine Zeit, die knapp länger ist als die Fastenzeit. Also genau die Zeit, von der viele sagen, dass man in ihr seine eigene Gewohnheiten ändern kann. Du kennst den Spruch: „was du 30 Tage lang geschafft hast, wirst du fortan immer schaffen“.

Als Radler ist man für diesen Aspekt der inneren Einkehr wohl etwas zu schnell am Ziel.

Wenn man Fuß-Pilger danach fragt, was für sie das Wichtigste am Jakobsweg war, so antworten sie fast immer: die gelebte Gemeinschaft macht den Zauber aus vom Jakobsweg.

Weil du zu Fuß jeden Tag immer wieder genau so weit kommst wie alle anderen auch, triffst du auch fast jeden Tag und jeden Abend auf dieselben Mitpilger. Es entstehen Gruppen, es entstehen Freundschaften und es springt ganz viel von dieser spirituellen Energie von einem zur anderen über. Das ist es, was die meisten am Jakobsweg so fasziniert – man ist plötzlich umgeben von lauter lieben Menschen, die irgendwie auf derselben Suche sind, auf demselben Weg. Und daraus entstehen ganz wunderbare Wendungen des Lebens, von denen fast jeder Pilger für den Rest seines Lebens schwärmt.

Und genau das wirst du auf dem Fahrrad vermutlich nicht in derselben Intensität erleben können. Radfahren ist einfach weniger kommunikativ als Wandern. Das Gemeinschaftserlebnis wird weniger stark sein auf dem Rad.

Es „fehlt“ also vielleicht genau das, was den Jakobsweg so besonders macht.

Darum sagen auch viele Pilger, dass „der echte“ Jakobsweg nur zu Fuß erlebbar ist.

Doch was ist dann der Jakobsweg mit dem Fahrrad?

Nun ja, ich würde sagen, er ist eine der schönsten Radrouten Europas. Du folgst einem über tausend Jahre alten Pilgerweg. Du bist umgeben von lauter Pilgern. Du schnupperst dieselbe Luft, du schläfst in denselben Herbergen und du hast dasselbe Ziel. Doch zugleich huschst du irgendwie auch ein wenig darüber hinweg.

Mein Fazit

Der Jakobsweg ist eine großartige Radtour (die ich übrigens selbst auch schon geradelt bin). Wenn du also auf der Suche bist nach einer solchen besonderen Radtour, dann ist der Jakobsweg für dich genau richtig.

Suchst du allerdings das „echte“ Pilgererlebnis, so solltest du dir überlegen, ob du nicht lieber zu Fuß gehen möchtest.

  • karl gehriger

    Kann man seinen hund mitnehmen ?

  • Hans Baßler

    Hallo alle miteinander :-)

    Meine Frau und ich träumen seit geraumer Zeit davon, den Jakobsweg mit dem Fahrrad zu begehen… Wir wollen die knapp über 800km im August innerhalb von 15 Tagen schaffen… Jetzt haben wir große Sorgen, denn wir haben unsere 1,5jährige Tochter dabei… Unsere Tochter reist im hervorragend ausgestatteten und komfortablen Fahrradanhänger mit. Die Sorge wächst von Tag zu Tag, ob wir diese Radpilgertour durchziehen wollen… Was meint ihr dazu?

    Bitte um ernstgemeinte und konstruktive Kritik, bitte keine Sätze wie: ihr seid doch verrückt… Vielen lieben Dank

    • Johann Köppel

      Hallo Hans,
      ich bin die Strecke alleine Mitte Mai in 14 Tagen gefahren. Die ganze Strecke im August mit einem kleinen Kind zu fahren, würde ich mir persönlich nicht zutrauen. Im Sommer kann es in der Meseta sehr heiß werden und Schatten ist Mangelware. Die 800 km in 15 Tagen zu schaffen ist auch ein sehr ambitionierter Plan. Du müsstest jeden Tag mindestens 50 km fahren ohne einen Tag Pause. Es sind auch einige kräfteraubende Anstiege zu bewältigen. Weiters ist im August auf dem Camino Rushhour. Es ist daher auch mit den Herbergen nicht so einfach wie im Mai. Mein Tipp: Termin ändern (Mai, Juni oder September) oder Teilstücke mit Bus oder Bahn fahren bzw in Pamplona oder Burgos starten.

    • Henning

      Ich will ja kein Schwarzmaler sein, aber hier ein Zitat vom ADFC zu Spanien:
      Fahrradanhänger zum Lastentransport sind dann zugelassen, wenn sie nur bei Tag gezogen werden, die Sicht nicht beeinträchtigen und das Gesamtgewicht inklusive Anhänger nicht mehr als 50% des Fahrrades wiegt! Das ist absurd, und der Fahrradverband ConBici wirbt um eine Änderung des Gesetzes. – Fahrradanhänger zur Mitnahme von Kindern sind nicht gestattet (gemäß RD 1428/2003 vom 21.11.2003).

  • Monika Plangger

    Hallo, ich möchte zum Pensionsantritt den Jakobsweg mit meiner Schwester mit dem Fahrrad bewältigen. Wie bekomme wir am besten unsere Räder am besten zum Ausgangspunkt. Mit dem Zug, habe ich gelesen ist es echt kompliziert.
    Danke für Eure Antorten.