Geschichten von Pilgerpässen

Wenn Pilgerpässe erzählen könnten, dann gäbe es hier viel zu lesen. Doch wir haben die Pilger gefragt, welche Geschichten sie mir ihren Pilgerpässen erlebt haben. Und hier sind die besten davon:

Getrocknet und gebügelt

Ich bin gerade auf dem Camino del Norte und schreibe euch das von unterwegs. Auf der Strecke nach Markina war mein Pilgerpass so durchnässt worden, dass er in Einzelteile zerfiel.

Das stimmte mich sehr traurig, da er viele einzelne Erinnerungen dokumentiert, die ich mit meinem Camino von Aachen über Trier, Metz und quer durch Frankreich bis Bayonne verbinde.

Der Hospitalero in der Herberge von Markina war spontan bereit, den Pilgerpass zu trocken. Ich denke, er hat ihn gebügelt, so wie er jetzt aussieht. Da er sowieso bereits voll gestempelt war, benutze ich nun den Ersatzpass, bin aber jetzt vorsichtiger und habe die Pässe in einer Brottüte verpackt.

(Stella)

Ein Teil des Camino

Für mich ist der Pass etwas ganz besonderes als Pilger, es ist ein Teil des Camino und er begleitet Dich durch das ganze Leben, immer wenn die Sehnsucht kommt oder Freunde dich auf den Jakobsweg ansprechen, holst Du den Pass und dann lebst du den Camino wieder auf.

Ich würde sagen es ist auch ein großes Dankeschön von all den netten Menschen die Du auf dem Camino in den Kirchen Klöstern Hostel und Herbergen getroffen hast, weiter signieren Sie Dir deinen eigenen Camino der durch Höhen und Tiefen gegangen ist.

Ich glaube wenn ich jemals einen Pass verlieren würde käme ich damit nicht klar, und würde das Stück Camino erneut pilgern es bedeutet mir sehr viel den Pass mit den tollen Stempeln in meinem Besitz zu wissen und zu pflegen. Meine Kinder sind auch stolz darauf und Sie haben auch jeder einen von Ihrem Camino den Sie gemeinsam mit mir bestritten haben, ich denke für das spätere Leben ist es ein tolles Symbol und Andenken an die Zeit mit dem Papa.

(Michael Vollmer)

Einige der vielen Pilgerpässe von Michael Vollmer

Verloren und wiedergefunden

Im Larrasoana hatte ich übernachtet. Früh gegen 08:00 machte ich mich auf den Weg nach Pamplona. Wie am Vortag hatte ich die Überjacke meiner 3-in-1-Jacke an, als es leicht anfing zu nieseln und ziemlich frisch war’s außerdem. An einer geschlossenen Bar unter dem Vordach machte ich mich daran, die Steppjacke in die regendichte Überjacke einzuziehen.

Also Pilgerpass aus der Innentasche der Überjacke raus und auf einen Tisch gelegt.

Während ich beide Jacken zusammenmontierte, kamen zwei Mitpilger vorbei und wir wechselten einige Worte. Spaßhaft fragten sie mich, ob ich warte bis die Bar zum Frühstück aufmacht. Ha, ha, bis 10:00 warte ich bestimmt nicht. Rucksack aufgehuckt und raus ging es aus Larrasoana.

Dort wartete schon die erste Steigung. Fast oben hab ich nochmal meine Taschen abgeklopft. Oh Schreck, der Pilgerpass war nicht in der Innentasche. Alle Außenfächer im Rucksack durchsucht, nix. Ergo musste ich ihn auf dem Tisch der Bar in Larrasona vergessen haben.

Ich malte mir aus, wie mein Pilgerpass vom Wind durch die menschenleeren Gassen Larrasoanas unwiederbringlich verweht wurde.

Im Eilmarsch den Berg wieder runter, zur Bar (die immer noch geschlossen war) gehetzt und einen flehentlichen Blick über die Tische geworfen. Dort lag er, mein Pilgerpass, so wie ich ihn abgelegt hatte, Gott sei`s gedankt.

Sichtlich erleichtert verstaute ich nun mein Credencial in einer wasserdichten Hülle im Rucksack. Denn den vergesse ich bestimmt nicht.

(Hans-Peter Güldner)

Der verlorene und wiedergefundene Pilgerpass von Hans-Peter Güldner

Unzählige Male angeschaut

Es ist ja nun schon eine Weile her, mit unserer Radpilgerreise nach Santiago. Aber immer wieder denke ich sehr gerne daran zurück und schon unzählige Mal habe ich mein damaliges Fotobuch/Tagebuch dieser unvergesslichen und unvergleichlichen Reise angeschaut. Mein Pilgerausweis zeigt das Startdatum 13.06.2013 in meiner Heimatgemeinde und die Ankunft in Santiago. Dazwischen lagen 34 wunderbare Tage. Mein Fazit: Wer mit dem Himmel in Kontakt kommen möchte, mache sich auf den Jakobspilgerweg. Der Stolz und die Freude die einem überkommt wenn man das Ziel erreicht hat ist unbeschreiblich. Wir haben in 34 Tagen 2306 KM ohne jeglichen Schaden an Leid, Seele oder Material erleben/erfahren dürfen.

Es grüßt Euch recht herzlich aus Simonswald, Lambert Fehrenbach

Ich schaue jeden Tag darauf

Ich bin die erste Hälfte des Camino im November 2016 von Saint Jean Pied de Port bis Leon gelaufen. Die zweite Hälfte von Leon bis Finisterre im Frühjahr 2017. Zwei völlig gegensätzliche Erfahrungen für mich. Im Winter auf dem ersten Teilstück, waren nur sehr wenige Pilger unterwegs. Im Frühjahr dagegen wurde es zum Ende hin schon belebter.

Meinen Pilgerausweis habe ich im Pilgerbüro in Saint Jean Pied de Port gekauft. Es war schon etwas Besonderes, als der Hospitalero in der ersten Herberge seinen Stempel hinein drückte und ich damit mein Pilgerweg offiziell begonnen hatte. Einige der Stempel, sind mir besonders in Erinnerung. Sei es wegen der Besonderheit des Stempels, des Weges zu dem Ort in dem ich ihn erhalten habe, oder wegen der Person die ihn hinein gemacht hat. Die Etappe nach Roncevalles z. B durch Regen und Schnee hinauf bis zur Kapelle und das anschließende Auftauchen der gewaltigen Klosteranlage, wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Die Dame die mir den Stempel gab empfing mich besonders herzlich und auch das Format und das Motiv sind herausstechend.
Ein weiteres Erlebnis war das mit meiner Hospitalera in Puente la Reina-Natalie. Sie bestand darauf den Stempel persönlich zu verschönern und ihn so unverwechselbar zu machen. Bei den folgenden Stempelstellen, erkannten viele der Hospitaleros auf Anhieb diesen speziellen Teil des Pilgerausweises. Oft mussten wir dann über unsere Erfahrung bei Natalie berichten. Eine schöne Erinnerung.
Auch der Stempel aus dem Parador Hotel in Leon ist für mich etwas Besonderes. Nachdem ich den Film „The Way“ mit Martin Sheen in der Hauptrolle gesehen hatte, nahm ich mir vor, dass wenn ich jemals diesen Weg gehen sollte, ich eine Nacht dort verbringen wollte. Da es die Endstation des ersten Teilstückes war, wollte ich mir etwas Luxus zum Abschluss gönnen und setzte das Vorhaben um. Habe zwar im Nachhinein gedacht das ich in Herbergen für einen Bruchteil des Geldes genauso gut geschlafen hatte, aber die Größe des Zimmers und das historische Gebäude waren trotzdem ein Highlight.
Besonders ist natürlich auch der Stempel den man in Santiago zum Ende des Weges erhält um seine Compostela zu bekommen. Ich kam mir fast vor wie ein Kind das dabei zusieht, wenn der Lehrer oder die Lehrerin den eigenen Test korrigiert und auf Fehler untersucht. Ich werde den Ausweis in jedem Fall immer als etwas Besonderes in Erinnerung behalten und ihn sicher verwahren.

Nach meiner Rückkehr habe ich überlegt, wo und wie ich meine Compostela und meinen Pilgerausweis einrahmen und aufhängen kann. Ich habe mir dann die Arbeit gemacht aus den „Trophäen“ meines Camino eine Collage zu basteln. Diese habe ich dann auf eine große Leinwand drucken lassen die nun in unserem Wohnzimmer hängt. Besonders der bunte Pilgerausweis zieht immer wieder neugierige Blicke auf sich, wenn Freunde oder Familienmitglieder daran vorbei gehen.

Ich schaue jeden Tag darauf und bin mir sicher, dass dies nicht meine einzige Erfahrung auf dem Camino bleiben wird.

(Werner Köhne)

 

Mit dem Pflaster geflickt

Ich musste mir unterwegs in Le Puy einen neuen Pass kaufen weil mein erster voll war. Mein erster sieht noch ziemlich gut aus.

Der zweite hingegen ist mir unterwegs mehrmals klatschnass geworden. Ein paar der Stempel sind so leider total verschwommen. Als ich dann auf dem Weg vom Muxia nach Santiago war, hat es an diesem Tag so stark geregnet, dass ein paar der Seiten vom Pilgerpass sogar abgerrissen sind.

Die letzte Seite, auf der nur die Infos draufstanden, habe ich dann weggeschmissen. Doch die anderen, mit den Stempeln, wollte ich behalten. Ich habe unterwegs versucht den Pilgerpass zu reparieren, und weil ich nur Pflaster-Tape dabei hatte, musste es eben damit gehen.

Jetzt erinnern mich der Pass nicht nur an die Reise, sondern auch an das Wetter.

Zwei Pilgerpässe. Der obere ist trocken geblieben, der unter mit Pflaster-Tape geflickt.

Informationen zum Pilgerpass

Wenn du mehr lesen möchtest über den Pilgerpass, seine Bedeutung und sein Funktion, dann lies diesen Artikel über den Pilgerpass.

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