Die passenden Schuhe für den Jakobsweg finden

Wer mehrere Wochen nur mit dem Rucksack bepackt in einem fremden Land unterwegs ist, und hunderte Kilometer zu Fuß zurücklegt, der überlegt sich vorher genau, was er mitnimmt und was er zurücklässt.

Bei der Vorbereitung auf den Jakobsweg geht es neben der Wahl des Weges vor allem auch um die Ausrüstung und Packliste.

Ein zentraler Punkt dabei ist die Wahl der Schuhe.

Die Wahl der Schuhe

Nur mit passenden Schuhen erhöhst du deine Chance, so weit wie möglich blasenfrei und blessurenfrei durch den Weg zu kommen.

Schon manch ein Pilger hat sich hier nicht richtig vorbereitet und unterwegs auf dem Jakobsweg dann einen hohen Preis dafür zahlen müssen.

Daher solltest du dir ein wenig Zeit nehmen bei der Wahl deiner Wanderschuhe. Falls du bereits Wanderschuhe besitzt, kannst du diese auf ihre Tauglichkeit für eine mehrwöchige Pilgerreise überprüfen.

Anderenfalls empfehlen wir dir den Gang ins Outdoor-Fachgeschäft, um Schuhe anzuprobieren und zu fühlen, welcher Schuh zu deinem Fuß passt und welcher nicht.

Foto von Maren Meyer

Denn es gibt nicht nur verschiedene Arten von Schuhen, sondern auch jeder Fuß ist individuell, was du beachten solltest.

Die Größe der Schuhe

Einer der wichtigsten Faktoren bei der Schuhwahl ist die Größe der Schuhe. Du solltest deine Schuhe für den Jakobsweg möglichst mindestens eine halbe Nummer größer kaufen, als deine Alltagsschuhe.

Das liegt ganz einfach daran, dass dein Fuß sich bei den vielen Kilometern und der weiten Strecke allmählich ausdehnt und mehr Platz braucht. Ist dein Schuh nun zu eng, so drückt es, reibt es und es können Blasen und andere schmerzhafte Druckstellen entstehen.

Um die richtige Größe zu finden, ist es auch wichtig, dass du bereits beim Anprobieren der Schuhe deine Wandersocken anziehst. Denn diese sind bekanntlich viel dicker als normale Socken und nehmen auch noch einmal zusätzlich Platz weg im Schuh.

Nur mit angezogenen Wandersocken kannst du also realistisch einschätzen, ob der jeweilige Schuh passen könnte (übrigens empfehlen wir diese Wandersocken aus eigener Erfahrung).

Foto von Granzyna Kostrubiec

Die Schuhe einlaufen

Genauso wichtig ist es, dass du die Schuhe einläufst, bevor du damit auf eine Wanderung von mehreren Hundert Kilometern gehst. Unternimm zwei Testwanderungen in deiner Pilgerausrüstung mit den gewählten Schuhen und gepacktem Rucksack in deiner Umgebung.

So läufst du einerseits die Schuhe ein und bekommst andererseits schon einmal ein Gespür dafür, wie es sich mit einem vollen Rucksack auf dem Rücken anfühlt. Sollte die Testwanderung beschwerlich sein, kannst du davon ausgehen, dass du zu viel dabei hast.

Foto von Katie Waity

Mit klassischen Wanderstiefeln machst du nichts falsch auf dem Jakobsweg. Und falls du bereits welche besitzt, die du auch zu Tagestouren daheim nutzt, kannst du diese problemlos auch für den Camino verwenden.

Solltest du jedoch noch keine Wanderschuhe haben, oder sollten diese schon zu alt und verschlissen sein, so sind neue Schuhe Pflicht. Hier kannst du nun einmal überlegen, ob du (wieder) zu klassischen Wanderschuhen greifst, oder ob du es so machst, wie es immer mehr Pilger machen: Zu einem anderen Typ von Schuhen greifen.

Denn neben den bewährten Wanderschuhen findet man immer häufiger auch Pilger mit Trailrunningschuhen, Laufschuhen, Multifunktionsschuhen oder sogar Wandersandalen auf dem Jakobsweg.

Diese anderen Schuhtypen haben den Vorteil, dass sie wesentlich leichter sind, als die typischen hohen Wanderstiefel. Laut aktuellen Forschungsergebnissen wirkt sich dieses Gewicht auch auf die Leistungsfähigkeit des Menschen aus.

Mit anderen Worten: Wer in Trailrunningschuhen den Jakobsweg läuft, kann mit der gleichen Menge an Energie längere Strecken zurücklegen, als jemand in klassischen Wanderschuhen mit hohem Schaft.

Foto von Silke Kaikowsky

Während diese Wanderschuhe im Gebirge und in geröllhaltigem Gelände Pflicht sind, sind sie auf dem Jakobsweg nicht zwingend notwendig. Denn wie erfahrene Pilger wissen, führen viele Jakobswege immer wieder auch einmal über Asphaltabschnitte, über Wiesen, Weiden und Wälder mit relativ ebenem Untergrund oder nur wenigen Höhenmetern (einen Unterschied mag hier der bergige Caminho Primitivo und auch in Teilen der Küstenweg darstellen).

Daher kann man auf dem Jakobsweg auch bedenkenlos anstatt zu Wanderstiefeln zu anderen Schuhtypen, wie Trailrunningschuhen, Laufschuhen, Multifunktionsschuhen oder Wandersandalen greifen.

Nachteilig an diesen anderen Schuhtypen ist, dass sie oft nicht wasserdicht sind und im Falle des Falles, dass du umknicken solltest, wenn etwa die Konzentration nachlässt, bieten sie weniger Schutz für den Fuß.

Foto von Josée Jungers.

Der perfekte Schuh?

Letztlich können wir nur feststellen, dass es nicht den einen Schuh für den Jakobsweg gibt. Es gibt eine Reihe von Schuhen und Schuharten, und du kannst nur herausfinden, in welchen Schuhen du dich wohlfühlst und in welchen nicht.

Wir empfehlen dir auf jeden Fall, dies möglichst schon vor deiner Reise herauszufinden, denn so ersparst du dir Schmerzen und Blessuren an den Füßen, und musst auch nicht auf dem Camino noch einmal los, um andere Schuhe zu kaufen.

Foto von Nicole Köhler

Der Gang ins Fachgeschäft in deiner Nähe ist sehr zu empfehlen. Manche Pilger ordern ihre Schuhe auch über das Internet und setzen dabei auf beliebte und anerkannte Modelle und Hersteller wie Jack Wolfskin oder Salomon beispielsweise.

Für welche Schuhe hast du dich entschieden? Was sind deine Erfahrungen? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen und teile deine Erfahrungen mit anderen Pilgern.

Geschichten von Schuhen

Keine zwei Pilger erleben dasselbe auf dem Jakobsweg, und so ist es auch mit den Füßen. Niemand steckt in des anderen Schuhen, und jeder erlebt den Weg auf seine Weise. Hier sind ein paar Geschichten von Pilgern und ihren Schuhen:

Teresa Sophie: Meine Geschichte ist, dass ich den portugiesischen Weg mit fivefingers gelaufen bin. Ein Paar hatte Löcher beim 3/4 des Weges und mit diesen auf dem Foto bin ich den Rest gegangen.😁


Jennifer Hansen : Meine treuen Meindl-Stiefel, haben mich auf meinem Camino 2013 begleitet und tun es immer noch. Ich habe sie zwischendurch ungefähr auf Höhe von Astorga gegen Sandalen aus einem Trekkingshop gewechselt, weil es sehr warm war und habe wohl diesen kurzen Tausch mit einem Ermüdungsbruch im Mittelfußknochen bezahlt. Ab da habe ich für den Rest der Strecke wieder die Stiefel getragen, sehr fest geschnürt, so ging es. Festes und stützendes Schuhwerk finde ich für solche Unternehmungen immens wichtig.


Ina Tito: Wir sind einen Teil des Deutschen Jakobswegs, die Via Baltica gelaufen.
Das Bild entstand nach einem Irrweg klitschnass nachdem wir ein Feld durchquert hatten kurz vor unserem Ziel. Bezeichnender Weise hieß der Wegabschnitt kurz davor „Holzweg“.


Hermann Wenzel: Meine Schuhe auf dem Bahnhof von León.
Ich wollte dem trüben Januarwetter entfliehen. Viele Ziele standen zur Auswahl. Der Caminho Português ab Porto hat gewonnen. Es war ein feuchtes Jahr, viel Regen war im Dezember gefallen und die Wege waren recht matschig und teilweise überschwemmt. Da war meine Schuhwahl genau die richtige. In Santiago angekommen hatte ich keine Lust auf zu Hause. Nach Fisterra oder den Francés retour waren die beiden Optionen, die mir einfielen. Der Francés retour hat gewonnen. Bis Astorga waren es nur 250 Kilometer. Dort angekommen gab es einen Bus nach León. Am nächsten Tag auf dem Bahnhof von León durften die Pilgerschuhe dann für die Bahnfahrt nach Hause in den Rucksack.


Sandra Schüller: Meine Meindl Schuhe. Schon mindestens 10 Jahre alt und superbequem. Die Sohlen war aber schon sehr abgewetzt. Aber, wie soll ich es sagen. Sie müffelten. Ich Superschlau hab morgens Waschpulver reingeschüttet, wie so ne Art Fuß Puder. Klar, das es an dem Tag geregnet hat und ich stand plötzlich auf einem Feld in einer Wolke aus Schaum. Aber hat geholfen. Für einen Tag. Hab sie am letzten Tag weggeworfen und bin mit Sandalen nach Hause gefahren.


Tanja Zeiser: Meine Schuhe im Foto, sie mussten nach dem Portugues mal dringend gelüftet werden.


Hermann Wenzel: Pause auf der Via Francigena. Ich war mit meiner Pilgerfreundin Michelle aus Florida auf der Via Francigena in Frankreich unterwegs. Es war ein heißer Junitag. Die Füße dampften. Es gab kein Café, keine Bar. Auf einem Spielplatz machten wir Rast. Die Füße und die Schuhe durften lüften und trocknen.


Sandra Andrea: Ich hatte fertig! Keinen Meter mehr in meinen Trekkingschuhen dachte ich! ….. eine halbe Stunde in FlipFlops…. und dann ging’s doch wieder mit den anderen Schuhen weiter ;)


Hilde Treichl: Mit meinem Meindl Wanderschuh, den ich aller dings schon ein Jahr vor dem Start gekauft habe war ich über glücklich. Auf anraten meines Verkäufers bin zu Hause schon viele km gegangen. Immer wenn ich das Gefühl hatte es drückt irgendwo, konnte ich ins Geschäft kommen und mann hatte diese Stelle weichgeklopft und über Nacht eingespannt. Allerdings hatte ich auch großes Glück. Einmal hatte ich auch meine Schuhe über Nacht im Geschäft und in jener Nacht wurde dort eingebrochen. Alle Regale wurden leer geräumt, nur meine schmutzigen Wanderschuhe blieben stehen. Zum Glück. Meine Freundin und ich sind am Sompor Pass gestartet und sind ohne Pause bis Santiago gegangen. Es war so schön, die Neugier trieb uns weiter. Wir gingen noch bis Finesterre, von dort ist das Foto und dann noch bis Muxia. Ich muß sagen dieser Schuh war / ist ein Traum, ich hatte keine einzige Blase oder Druckstelle.


Antje Reichert: Schuhe zurückgelassen und die letzten 10 km barfuß bewältigt. Ergebnis: viele viele Blasen (weil es viel zu heiß war, um ohne Schuhe unterwegs zu sein) und eine tagelange Überdosis an Endorphinen 😀😁🤣😃


Magdalena Brandstätter: …weil manchmal ohne einfach am allerschönsten ist!


Gert Kleinsteuber: Am „Ende der Welt“ – meine Helden!