Vergleich der Jakobswege

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Welchen Jakobsweg soll ich gehen?

Der erste Impuls ist oft: „Ich möchte den Jakobsweg gehen!“ Wenn sich die Menschen dann einmal informiert haben, stellen sie meist zu ihrer Verwunderung fest: Es gibt ja gar nicht den einen Jakobsweg, sondern es gibt viele Jakobswege.

Ging es dir auch so?

In diesem Artikel möchte ich dir die beliebtesten Jakobswege einmal im direkten Vergleich vorstellen, damit du dir ein Bild machen kannst und dir die Entscheidung leichter fällt.

Die 5 beliebtesten Jakobswege

NameLandKilometerSchwierigkeitsgradBeliebtheitBeste Jahreszeit
Camino FrancésSpanien800 kmleicht bis mittel65 %Frühjahr Herbst
Caminho PortuguesPortugal240 kmleicht16,4 %Frühjahr Sommer Herbst
Küstenweg (Camino del Norte)Spanien850 kmmittel bis schwer6 %Frühjahr Sommer Herbst
Camino PrimitivoSpanien300 kmschwer4,3 %Frühjahr Sommer Herbst
Via de la PlataSpanien1.000 kmmittel3,5 %Herbst Winter Frühjahr

In der Tabelle oben siehst du die 5 beliebtesten Jakobswege (Stand 2016). Jeder Pilger, der in Santiago de Compostela ankommt und seinen Pilgerausweis mit den Stempeln der Herbergen vorzeigt, wird in die Statistik aufgenommen. Wer mindestens 100 Kilometer gepilgert ist (Radfahrer 200 km), bekommt die beliebte Pilgerurkunde, die sogenannte Compostela.

Camino Francés

Karte Camino Frances

Der Camino Francés wird gerne als der Jakobsweg bezeichnet. Das liegt einfach daran, dass dieser Weg der bekannteste unter allen Wegen ist. Rund zwei Drittel aller Menschen (65 %) entscheiden sich für den Camino Francés. Auch die berühmten Jakobsweg-Autoren Paulo Coelho  und Hape Kerkeling zählen dazu und haben ihren Anteil an der Bekanntheit dieses Jakobswegs.

Der Camino Francés führt von St. Jean Pied de Port an der spanisch-französischen Grenze über 800 Kilometer durch Spanien, ehe er Santiago de Compostela erreicht. Dabei durchquert er verschiedene Regionen und Klimazonen Spaniens.

Aufgrund seiner Bekanntheit ist dieser Jakobsweg auch der touristisch erschlossenste. Hier findest du Herbergen und Wegweiser zuhauf, sodass die Gefahr des Verlaufens und die Angst vor zu langen Etappen gegen 0 tendiert.


Auch wenn der Pilger auf dem Camino Francés ein paar Berge durchwandert: Dieser Jakobsweg ist vom Schwierigkeitsgrad als leichter bis mittelschwerer Weg einzuschätzen und auch für Anfänger geeignet. Aufgrund der Pilgerströme, besonders auf den letzten 100 Kilometern, empfehlen wir dir eher Frühjahr und Herbst als Reisezeit zu wählen, anstatt den Hochsommer. Zeitlich ist der Weg in 5 Wochen gut machbar.

Hier geht es zu den Datails vom Camino Francés.

Auch wenn die meisten Menschen den populären Camino Francés entlangpilgern, um zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela zu gelangen, sei an dieser Stelle verraten: Es gibt auch noch andere Jakobswege.

Insbesondere in den letzten Jahren, wo das Pilgern und der Jakobsweg zunehmend an Beliebtheit gewinnen, steigen die Pilgerzahlen stetig an. Immer mehr Menschen zieht es heraus aus unserer schnelllebigen Zeit und auf den Jakobsweg. Immer mehr Menschen machen es Hape Kerkeling und anderen gleich und suchen beim Pilgern nach Ruhe, Natur, Stille, Begegnungen mit anderen und sich selbst.

Durch diese Entwicklung werden auch die weniger bekannten, aber oft nicht minder schönen anderen Jakobswege immer wichtiger. Denn nicht jeder findet mehr die nötige Ruhe auf dem belebten Camino Francés, und nicht jeder möchte im Pulk von Pilgerscharen nach Santiago de Compostela laufen, getrieben von der Sorge, kein Bett mehr zu bekommen.

Daher möchten wir dir nun auch die wichtigsten anderen Jakobswege vorstellen.

Caminho Portugues

karte Caminho Portugues

Der Caminho Portugues ist der zweitbeliebteste unter den Pilgerwegen – zu Recht, denn es gibt viele gute Gründe für diesen Jakobsweg:

Der Caminho Portugues führt durch Portugal und Spanien und verbindet damit gleich zwei Länder und Kulturen, die es zu entdecken gilt.

Er ist weniger überlaufen, als der Camino Francés, aber verfügt dennoch über eine gute Infrastruktur mit genügend Unterkünften.

Er ist vergleichsweise kurz mit „nur“ 240 Kilometern Länge und damit in nur zwei Wochen komplett machbar.

Damit ist dieser Jakobsweg auch für Menschen eine Option, die sich nicht so viel Zeit frei schaufeln können. Zudem ist der Caminho Portugues weitgehend flach, was ihn für Menschen jeden Alters und mit nahezu jedem Fitnesslevel reizvoll macht.

Der portugiesische Jakobsweg beginnt offiziell an der Kathedrale der schönen Stadt Porto und führt von da aus gen Norden nach Santiago de Compostela.

Wer möchte, kann den Weg auch schon ein paar Hundert Kilometer weiter südlich in Lissabon beginnen. Theoretisch ist der Caminho Portugues ganzjährig begehbar, ideale Jahreszeiten sind von April bis Mitte September.

Hier geht es zu den Details vom Caminho Portugues.

Küstenweg (Camino del Norte)

Karte Kuestenweg Camino del Norte

Der Küstenweg ist ein weiterer Jakobsweg. Ähnlich wie der Camino Francés, führt er vom Nordosten Spaniens nach Westen bis nach Santiago de Compostela, mit einem Unterschied: Der Küstenweg führt seinem Namen entsprechend an der Nordküste Spaniens und damit unmittelbar am Meer entlang.

Fantastische Ausblicke auf das Wasser und schöne Strandabschnitte wechseln sich hier mit bergischen Abschnitten durch Wälder und Wiesen ab.

Dieser Reiz hat allerdings auch seinen Preis, denn der Küstenweg ist durchaus anspruchsvoll und bietet weitaus mehr Höhenmeter als etwa der Camino Francés oder der Caminho Portugues.

Um die 850 Kilometer von Irun nach Santiago zu meistern, sollte man ein wenig Ausdauer mitbringen oder genügend Zeit: 35 bis 40 Tage. Die ideale Reisezeit für den Küstenweg ist Frühjahr bis Herbst.

Hier geht es zu den Datails vom Küstenweg.

Camino Primitivo

Karte Camino Primitivo

Der Camino Primitivo ist der „Exot“ unter den Jakobswegen. Zwar ist er mit nur 300 Kilometern Länge ein recht kurzer Jakobsweg, doch haben diese 300 Kilometer es dafür in sich: Denn der Camino Primitivo gilt als der anspruchsvollste aller Jakobswege. Viele Höhenmeter und ein ständiges Auf und Ab begleiten den Pilger auf dem Weg von Oviedo bis nach Santiago. Daher zählt der Weg auch zu den einsamsten Jakobswegen und ist nicht so stark frequentiert.

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Eine gewisse Kondition und Ausdauer sollte vorhanden sein, um den Camino Primitivo ohne große Beschwerden zu laufen. Wer die Mühen auf sich nimmt, wird mit atemberaubenden Panoramablicken von den Bergen aus belohnt. Die ideale Jahreszeit ist Frühjahr bis Herbst. Im Winter und bis in den März hinein kann der Weg durch Schneefall unpassierbar sein.

Hier geht es zu den Details vom Camino Primitivo.

Via de la Plata

Karte Via de la Plata

Die Via de la Plata führt über ganze 1.000 Kilometer vom Süden Spaniens hinauf bis nach Santiago de Compostela im Nordwesten des Landes. Damit ist dieser Weg der längste der bekannten Jakobswege. Noch gilt die Via de la Plata als Geheimtipp.

Mitunter lange Tagesetappen von 30 bis 35 Kilometern Länge schrecken manch einen Pilger ab, zudem kann es auf dem Weg in den Sommermonaten sehr heiß werden. Wer jedoch die Tagesdistanzen nicht scheut und den Weg zu einer anderen Jahreszeit als im Hochsommer geht, kann eine beeindruckende, weite Landschaft und viel Ruhe vorfinden. Besonders im Frühling, wenn viele Pflanzen entlang des Weges in ihrer Blüte stehen, kann die Via de la Plata sehr reizvoll sein. Aber auch im Winter ist dieser Weg einen Gedanken wert, da das Klima Südspaniens dann vergleichsweise mild ist, während es auf anderen Jakobswegen zu dieser Jahreszeit bitterkalt oder gar verschneit ist. Für die Via de la Plata sollte man nicht weniger als 6 Wochen Zeit haben.

Hier geht es zu den Details von der Via de la Plata.

Camino Finisterre

Karte Camino Finisterre

Kann man bei diesem Weg überhaupt von einem eigenständigen Jakobsweg sprechen? Schwer zu sagen, denn gewissermaßen ist der Camino Finisterre für viele Pilger einfach die Verlängerung ihres ursprünglichen Jakobswegs.

Denn anders als die anderen Jakobswege, führt der Camino Finisterre nicht nach Santiago de Compostela, sondern beginnt hier. Über 3 bis 4 Tage und 96 Kilometer führt er von eben jenem Pilgerziel Santiago weiter nach Finisterre, zum sogenannten Ende der Welt.

Man spricht vom Ende der Welt, da man dort früher irrtümlicherweise den westlichsten Punkt Europas vermutete.

Dieser kurze Jakobsweg ist bei vielen Pilgern beliebt, die noch Zeit nach ihrer Ankunft in Santiago übrig haben, bevor ihr Rückflug geht. Aber auch Menschen, die im Rummel in Santiago nicht die gewünschte Ruhe nach dem Ende ihrer Pilgerreise finden, entscheiden sich spontan, die 3 bis 4-tägige Pilgerreise nach Finisterre noch dranzuhängen. Zudem lockt der Ausblick auf das Meer am Leuchtturm in Kap Finisterre.

Lies diesen ausführlichen Reisebericht über den Camino Finisterre oder schaue dir hier die Details an.

Via Podiensis – der Jakobsweg in Frankreich

via podiensis

Pilgern wie Gott in Frankreich? Das ist gar nicht so weit hergeholt, denn unser Nachbarland bietet dem Pilger einiges: Über die Via Podiensis, den bekanntesten Jakobsweg in Frankreich, oder auch andere Wege können Pilger in Richtung Santiago wandern.

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Neben den Franzosen finden sich auch viele Deutsche hier, die von ihrer Haustüre aus lospilgern und über Frankreich nach Spanien und schließlich nach Santiago de Compostela ziehen. Nicht nur die französische Küche, auch die Landschaft Frankreichs bietet dem Pilger viele grandiose Aussichten und Momente.

Hier geht es zu den Details der Via Podiensis.

Schwabenweg – der Jakobsweg in der Schweiz

schwabenweg

Die Schweiz auf Pilgerwegen entdecken kann wunderbar sein. Denn die Schweiz bietet landschaftlich unglaublich viele tolle Abschnitte, die es zu entdecken lohnt. Zwar sind die Lebenskosten in der Schweiz bekannterweise um einiges höher, als etwa bei uns in Deutschland. Doch mit etwas Glück findest du sogar eine günstige Unterkunft im Heuboden eines Bauernhofs.

Auch für Menschen, die von Deutschland nach Spanien pilgern möchten, kommen die Schweizer Jakobswege als Verbindungswege in Frage. Der Schwabenweg zum Beispiel führt in 4 Etappen von Konstanz bis Einsiedeln, die bekannte Via Jacobi bis nach Genf. Von dort lässt es sich über die Via Gebennensis weiter nach Frankreich und schließlich nach Spanien pilgern.

Hier geht es zu den Details vom Schwabenweg.

Jakobsweg in Deutschland

Auf den ersten Blick mag dieser Gedanke seltsam anmuten: Durch Deutschland pilgern? Tatsächlich führen aber sehr viele Jakobswege durch unser Land, vielleicht sogar ganz in der Nähe deiner Haustüre. Viele Pilger, die zunächst in Spanien auf den populären Jakobswegen unterwegs waren, sind erstaunt, wenn sie nach ihrer Rückkehr dann plötzlich die Jakobsweg-Muschel-Aufkleber in ihrer Heimatstadt immer wieder entdecken.

Bei genauerem Hinsehen wirst du sogar feststellen, dass sich ein großes Netz von Jakobswegen durch Deutschland zieht. Ideal für kurze Pilgerwanderungen und den Einstieg ins Pilgern oder auch um das eigene Land einmal mit anderen Augen kennenzulernen, das ist Pilgern in Deutschland. Nachteil: Anders als in Spanien, wirst du in Deutschland kaum bis sehr selten die typischen Pilgerherbergen finden, wo du für wenige Euro übernachten und mit Mitpilgern in Kontakt kommen kannst. Leider bist du in Deutschland oftmals gezwungen, auf teurere Pensionen und Hotels auszuweichen, was sich auf Dauer im Portemonnaie deutlich bemerkbar macht.

 

Nun haben wir dir den Jakobsweg-Kosmos einmal im direkten Vergleich vorgestellt. Und, weißt du schon, auf welchen Jakobsweg deine Wahl fällt? Falls nein, stöbere gern noch ein bisschen durch unsere Seiten, bis dich das Pilger-Fieber auch gepackt und du aufbruchsbereit bist.

  • Kirsten Lara

    Meine Freundin und ich planen nächstes Frühjahr Ende April den Camino portugues von Vigo nach Santiago de Compostela zu pilgern. Uns geht es dabei darum, das Thema „Loslassen“ während der 5 Tage, die wir zu pilgern planen, zu bearbeiten. Ich bin froh, dass auf dieser Pilgertour meine beste Freundin, die gerade das gleiche Thema bearbeitet, mich begleitet und bin ihr unendlich dankbar, dass sie mitkommt. Wir werden eine Bibel und das Losungsheft April 2017 mitnehmen. Wir werden nicht in Massenquartieren übernachten, sondern werden uns in kleine Pensionen einmieten.

  • Jens Tiekenheinrich

    Servus Christoph,

    ich werde am 26.7 bis 30.08 den Küstenweg gehn von Bilbao aus.
    Werde viel im Zelt übernachten, hast du einen Tipp wegen der nächtlichen Temperaturen in der Zeit ob mit ein Baumwollinlett reichen wird?
    Und wie komme ich dann von dort zurück nach Bilbao.

    Vielen Lieben Dank, der Himmel behüte Dich

    Jens

  • Ralf

    Coole Seite. Gefällt mir ausnehmend gut :-).